Lisa-Marie Unger • 22. Juli 2026

Google Ads - 50 % weniger ungültige Klicks

Klickbetrug kostet Werbetreibende Milliarden, und Googles eigene Filter fangen längst nicht alles ab. Eine US-Agentur hat mit einem ungewöhnlichen Targeting-Trick die ungültigen Klicks eines Kunden halbiert und die Kampagne wieder profitabel gemacht. So funktioniert der Ansatz.


Klickbetrug frisst dein Werbebudget

Klickbetrug ist kein Randthema. Schätzungen zufolge verlieren Werbetreibende bis 2028 rund 172 Milliarden Dollar pro Jahr durch Anzeigenbetrug. Besonders betroffen sind Branchen mit hohem Wettbewerb und teuren Klickpreisen, denn dort lohnt es sich für Betrüger und schädigt es dich am stärksten.



Die US-Agentur StubGroup hat einen solchen Fall öffentlich gemacht. Ihr Kunde bot Lektorats- und Ghostwriting-Dienste an, ein Markt mit hohen Klickpreisen. Die Suchbegriffe, die die Anzeigen auslösten, waren relevant und kaufbereit. Trotzdem brachten die Klicks keine profitablen Abschlüsse.

Hände, die auf einem Laptop tippen, neben einer Grafik auf dem Bildschirm, in einem hellen Arbeitsbereich.

Woran du Klickbetrug erkennst

Im geschilderten Fall häuften sich die Warnzeichen. Google selbst wies eine Rate ungültiger Klicks von 60 bis 80 Prozent aus. Aufzeichnungen mit Microsoft Clarity zeigten für den Google-Ads-Traffic ein botartiges Verhalten. Bei zahlreichen Suchbegriffen lag die Klickrate über 80 Prozent, bei einigen sogar über 100 Prozent, was für echte Nutzer schlicht unrealistisch ist. Und in GA4  kamen deutlich weniger Sitzungen an, als Google Ads an Klicks meldete.


Wenn du solche Muster in deinem Konto siehst, lohnt sich ein genauer Blick. Auffällig niedrige Conversion-Raten bei gleichzeitig hohen Klickzahlen sind oft ein erstes Indiz. Ein einfacher Gegencheck: Vergleiche die Klicks, die Google Ads meldet, mit den Sitzungen in GA4. Klaffen beide Werte weit auseinander, spricht das für Traffic, der gar nie auf deiner Seite ankommt. Auch ein plötzlicher Anstieg der Klicks ohne mehr Anfragen oder Verkäufe ist ein Warnsignal, das du nicht ignorieren solltest.


Warum die üblichen Mittel oft versagen

Googles Erkennung fängt viel ab, aber eben nicht alles. Genau deshalb existiert eine ganze Branche von Drittanbieter-Tools, die betrugsanfällige IP-Adressen blockieren, bevor sie dich Geld kosten.


Das Problem: Betrüger kennen diese Tools und wechseln über VPNs laufend ihre IP-Adressen. Ein Tool erkennt eine verdächtige Adresse und sperrt sie, doch beim nächsten Besuch nutzt der Betrüger bereits eine neue. Dazu kommt eine harte Grenze: Google erlaubt pro Kampagne maximal 500 ausgeschlossene IP-Adressen. Im geschilderten Fall brachten die getesteten Drittanbieter-Tools denn auch keine messbare Verbesserung.


Auch eine offizielle Prüfung bei Google löste das Problem nicht. Google bestätigte zwar verdächtige Aktivität, erklärte aber, alles erkannt und nichts verrechnet zu haben. Die Agentur war überzeugt, dass eben nicht alles herausgefiltert wurde, und wurde selbst aktiv.


Der Trick: Zielgruppen auf "Ausrichtung" setzen

Die Überlegung dahinter ist clever. Google teilt Nutzer anhand von Demografie sowie Such- und Surfverhalten in Hunderte vordefinierte Zielgruppen ein. Wer etwa nach Privatjets und Luxusuhren sucht, landet vielleicht in der Zielgruppe der Luxus-Shopper.


Die Hypothese der Agentur: Betrüger, die permanent ihre IP-Adressen wechseln, bauen sich kein normales Surfprofil auf und passen deshalb in keine dieser Zielgruppen. Also fügte das Team den Suchkampagnen einen Grossteil der verfügbaren Zielgruppen hinzu, insgesamt 540 Stück, und nutzte sie nicht zur Feinsteuerung, sondern als Filter.


Entscheidend ist die richtige Einstellung. Das Team wählte "Ausrichtung", nicht "Beobachtung". Bei der Ausrichtung zeigt Google deine Anzeigen nur Personen, die dein Keyword auslösen und zu einer der gewählten Zielgruppen gehören. Bei der Beobachtung sammelt Google lediglich Daten, spielt die Anzeigen aber weiterhin an alle aus, die dein Keyword auslösen. Nur die Ausrichtung wirkt also als echter Filter.


Das Ergebnis: Die Rate ungültiger Klicks sank sofort um 50 Prozent, und die Conversion-Rate stieg auf ein profitables Niveau.


So testest du es in deinem Konto

Öffne eine Suchkampagne und gehe zu Zielgruppen, dann Zielgruppensegmente bearbeiten, wähle Ausrichtung und Durchsuchen. Dort markierst du die gewünschten Zielgruppen und speicherst. Fang ruhig breit an und beobachte danach genau, wie sich Klickqualität und Conversions entwickeln.


Wichtig: Dieser Ansatz eignet sich nur für Konten mit einer wirklich hohen Rate ungültiger Klicks. Er hat einen Preis. Du blockierst womöglich auch echte Interessenten, die in keine von Googles Zielgruppen passen. Bei einem gesunden Konto würdest du damit unnötig Reichweite verschenken.


Geh deshalb schrittweise vor. Notiere vor der Umstellung deine wichtigsten Kennzahlen, also Klickrate, Conversion-Rate, Kosten pro Conversion und die Rate ungültiger Klicks. Lass die neue Einstellung anschliessend ein bis zwei Wochen laufen und vergleiche danach. Sinkt die Zahl der ungültigen Klicks, ohne dass deine echten Conversions einbrechen, hat der Filter funktioniert. Verlierst du dagegen wertvolle Anfragen, drehst du die Zielgruppen wieder zurück.


Kennzahlen und Grenzen im Blick behalten

Zur Einordnung: Eine Auswertung von über 43'000 Konten fand eine durchschnittliche Rate ungültiger Klicks von 11,4 Prozent. In stark umkämpften Branchen kann dieser Wert aber deutlich über 40 Prozent liegen. Erst dann wird der beschriebene Filter interessant.


Deine eigenen Zahlen findest du im Bericht "Gutschrift für ungültige Aktivitäten" im Report-Editor von Google Ads. Dort siehst du, welche Klicks nicht verrechnet und welche nachträglich gutgeschrieben wurden. Wichtig zu wissen: Klicks, die Google sofort als ungültig erkennt, kosten dich nichts. Erkennt Google sie erst später, erhältst du eine Gutschrift für künftige Werbung.


Du vermutest, dass ungültige Klicks dein Google-Ads-Budget belasten und deine Kampagnen ausbremsen?

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Fazit

Google filtert Klickbetrug nicht perfekt, und teure Branchen zahlen dafür am meisten. Der Trick mit den vordefinierten Zielgruppen ist keine Wunderwaffe, aber ein cleverer Notausgang, wenn nichts anderes greift: Er nutzt Googles eigene Profildaten, um botartigen Traffic auszusperren, den das System selbst durchgelassen hat.


Bevor du ihn einsetzt, prüfe deine Zahlen ehrlich. Ist deine Rate ungültiger Klicks unauffällig, richtest du mit dieser Methode mehr Schaden als Nutzen an. Liegt sie dagegen jenseits von 40 Prozent, kann sie eine verlustreiche Kampagne wieder profitabel machen. Wenn du unsicher bist, ob dein Konto betroffen ist, schauen wir uns deine Zahlen gern gemeinsam an.



Quelle: Searchengineland.com

Über die Autorin

Eine Frau mit lockigem Haar trägt ein weißes Hemd und lächelt.

Lisa-Marie Unger

Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.


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