Lisa-Marie Unger • 23. Juli 2026

1 Mio. Keywords - Wie KI die Suche verschiebt

Verschwindet die klassische Suche wegen KI? Eine Auswertung von über einer Million Keywords sagt: nein. Die Nachfrage bricht nicht ein, sie verlagert sich. 29 Prozent des Suchvolumens schrumpfen, fast ebenso viel wächst anderswo. Wir zeigen dir, was das für deine Sichtbarkeit bedeutet.


Die Studie in Kürze

Die Agentur Fractl hat zusammen mit Search Engine Land untersucht, ob sich Gartners Prognose von 2024 bewahrheitet, wonach das Volumen klassischer Suchmaschinen bis 2026 um 25 Prozent sinken soll. Analysiert wurden über 1'010'000 Keywords mit je mindestens 10'000 monatlichen Suchanfragen, verteilt auf 379 Marken und acht Branchen, zusammen rund 35 Milliarden Suchanfragen pro Monat. Ergänzend wurden gut 1'000 US-Konsumenten zu ihrem Suchverhalten befragt.

Ein Laptop mit bunten Diagrammen und ein Smartphone auf einem Schreibtisch

Suche schrumpft nicht, sie wandert

Das zentrale Ergebnis: 29 Prozent des Suchvolumens sind rückläufig, also 4 Punkte mehr als von Gartner vorhergesagt. Doch fast genau so viel Nachfrage wächst an anderer Stelle. Unter dem Strich bleibt das Gesamtvolumen praktisch stabil.


Die Zahlen dahinter sind eindrücklich. Rund 285'000 Keywords verlieren zusammen etwa 10,29 Milliarden monatliche Suchanfragen. Gleichzeitig gewinnen rund 141'000 Keywords etwa 10,31 Milliarden dazu. Netto ergibt das sogar ein kleines Plus von rund 17 Millionen Suchanfragen pro Monat. Es suchen also nicht weniger Menschen, sie suchen nach anderen Begriffen.


Wo es wehtut und wo es wächst

Der Rückgang trifft die Branchen sehr unterschiedlich. Am stärksten schrumpft FinTech mit knapp 38 Prozent, am wenigsten der Lifestyle-Bereich mit gut 15 Prozent. Nur drei der acht Branchen blieben unter Gartners 25-Prozent-Marke.


Das Muster ist klar: Wo ein Chatbot eine vollständige Antwort liefern kann, etwa zu Wechselwirkungen von Medikamenten oder zur Erklärung eines Selbstbehalts, sinkt das Suchvolumen. Wo Menschen dagegen Preise vergleichen, etwas kaufen oder eine bestimmte Seite ansteuern müssen, bleibt die Nachfrage bestehen. Informationslastige Branchen wie HealthTech verlieren am meisten, transaktionsstarke wie SaaS oder Lifestyle wachsen sogar. SaaS legte im letzten Jahr um 48 Prozent zu, Lifestyle um 40 Prozent.


Das Verhältnis von wachsenden zu schrumpfenden Keywords bringt es auf den Punkt. Im Lifestyle-Bereich wachsen 2,6 Mal so viele Begriffe, wie zurückgehen, bei SaaS sind es 2,5 Mal so viele. HealthTech dagegen hat mit einem umgekehrten Verhältnis zu kämpfen und ist damit die am stärksten betroffene Branche. Und wo Keywords wirklich einbrechen, tut es weh: Bei den rückläufigen Begriffen liegt der durchschnittliche Verlust bei rund 41 Prozent.


Nicht-Marken-Suchen sind am stärksten gefährdet

Ein Befund ist für die Praxis besonders wichtig: 90 Prozent des untersuchten Suchvolumens entfallen auf Suchanfragen ohne Markenname. Genau diese ersetzt die KI am leichtesten, denn ohne konkrete Marke gibt es keine bestimmte Seite, die der Nutzer ansteuern muss. Die ganze Interaktion bleibt im Chatfenster.


Warum SaaS und Lifestyle trotz KI wachsen, liegt am Verhalten danach. Empfiehlt die KI ein Projektmanagement-Tool oder ein Sofa, suchen viele anschliessend doch noch gezielt nach der Marke oder dem Händler, bevor sie kaufen. Die KI-Antwort erzeugt eine nachgelagerte Suche. Bei einer reinen Wissensfrage passiert das nicht, dort endet die Reise im Chat.


Was die Nutzer wirklich tun

Die Befragung ergänzt das Bild. 70 Prozent der Konsumenten nutzen KI häufiger als früher, aber nur 17 Prozent suchen deshalb weniger klassisch. Suche verteilt sich also auf mehr Kanäle, statt Google zu ersetzen. Auffällig: Auch soziale Plattformen dienen zunehmend als Suchmaschine, allen voran YouTube mit 68 Prozent und Reddit mit 57 Prozent, gefolgt von Instagram, Facebook und TikTok. Was am wahrscheinlichsten von Google zur KI abgewandert ist, sind Anleitungen und Tutorials.


Beim Kauf bleibt die klassische Suche stark. 47 Prozent starten ihre Produktrecherche bei einer Suchmaschine, gleich viele bei Online-Händlern, nur 13 Prozent bei einem KI-Chatbot. Trotzdem verändert KI das Spiel: Fast jeder Fünfte hat schon etwas allein auf eine KI-Empfehlung hin gekauft, ohne sie gegen zu prüfen. Bei jüngeren Generationen ist das noch ausgeprägter. Und 59 Prozent besuchen die Website einer Marke, nachdem eine KI sie erwähnt oder empfohlen hat.


Beim Vertrauen bleibt die Skepsis aber gross. 46 Prozent vertrauen der klassischen Suche mehr, nur 20 Prozent der KI, und über die Hälfte steht KI-Produktempfehlungen zumindest teilweise misstrauisch gegenüber. Auf fünf Jahre hinaus gehen 52 Prozent davon aus, dass Google ihre wichtigste Suche bleibt. Ein Fünftel rechnet mit dem Gegenteil. Diese Minderheit ist keine Mehrheit, aber auch kein Rundungsfehler.


Was das für dich bedeutet

Die wichtigste Erkenntnis: KI-Sichtbarkeit ist kein Feind, den du umgehen musst, sondern ein neuer Vertriebskanal. Wenn 59 Prozent nach einer KI-Erwähnung deine Seite besuchen, werden Nennungen in KI-Antworten zur neuen Platzierung und Website-Besuche zur neuen Klickrate.


Konkret heisst das dreierlei. Erstens: Prüfe deine wichtigsten Keywords und sortiere sie nach Veränderung im Jahresvergleich. So siehst du, ob dein Portfolio eher auf der schrumpfenden oder der wachsenden Seite liegt. Zweitens: Beantwortet KI in deiner Branche die Fragen bereits vollständig, brauchst du eine GEO-Strategie, nicht nur klassisches SEO. Es geht darum, selbst die Antwort zu sein. Drittens: Baue Autorität auf.

Glaubwürdige Erwähnungen durch Dritte, Fachbeiträge und konsistente Angaben zu deinem Unternehmen erhöhen die Chance, in KI-Antworten aufzutauchen. Digitale PR und GEO wachsen hier zusammen.

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Fazit

Gartners Warnung war richtig gedacht, aber das Wort "Rückgang" verfehlt den Kern. Das gesamte Suchvolumen bleibt praktisch konstant, es verschiebt sich nur, welche Suchanfragen es tragen. Wer weiter auf Fragen optimiert, die KI heute besser beantwortet, verliert. Wer die Autorität aufbaut, die ihn zur Antwort macht, gewinnt, egal ob diese Antwort von Google oder einem Chatbot kommt. Wir helfen dir gern dabei, dein Keyword-Portfolio zu prüfen und dort sichtbar zu werden, wo deine Kundschaft morgen sucht.



Quelle: Searchengineland.com

Über die Autorin

Eine Frau mit lockigem Haar trägt ein weißes Hemd und lächelt.

Lisa-Marie Unger

Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.


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