Instagram - Nutzer steuern jetzt den Algorithmus
Instagram weitet seine «Your Algorithm»-Steuerung auf den Hauptfeed aus. Nutzer können künftig selbst bestimmen, welche Themen ihre Empfehlungen in Feed, Reels und Explore beeinflussen. Für Marken heisst das: Dein Content muss klare Themen und eine eindeutige Zielgruppen-Intention signalisieren.
Was «Your Algorithm» kann
Das Feature «Your Algorithm» gibt den Menschen erstmals direkten Einblick in die Themen, die Instagram mit ihren Interessen verknüpft. Du kannst sehen, welche Themen das System dir zuordnet, unerwünschte Themen entfernen und solche hinzufügen, von denen du mehr sehen möchtest. Eingeführt wurde die Funktion im Dezember zunächst für Reels. Seitdem hat Instagram die Themensteuerung schrittweise auf weitere Empfehlungsflächen ausgeweitet.
Mit dem aktuellen Update kommt die Steuerung nun auch im Hauptfeed an. Und genau dort wird sie besonders wichtig, denn empfohlene Beiträge von Accounts, denen Nutzer gar nicht folgen, machen inzwischen einen immer grösseren Teil des Feeds aus. Der
Feed ist also längst nicht mehr nur eine Sammlung der abonnierten Profile.
So funktioniert die Themensteuerung
Das Prinzip ist denkbar einfach und doch wirkungsvoll:
- Du startest mit einer Liste, die Instagram automatisch aus deiner bisherigen Aktivität generiert.
- Anpassungen an dieser Liste helfen dem System, künftige Empfehlungen besser auf dich abzustimmen.
Damit verschiebt sich ein Stück Kontrolle vom Algorithmus zurück zum Nutzer. Statt nur passiv zu konsumieren, kannst du aktiv mitteilen, was dich interessiert und was nicht. Das ist eine bemerkenswerte Abkehr von der bisherigen Logik, bei der das System ausschliesslich aus deinem Verhalten gelernt hat.
Warum Instagram diesen Schritt geht
Instagram-Chef Adam Mosseri begründet die Neuerung mit einem bekannten Problem: In empfehlungsgetriebenen Feeds fühlen sich Nutzer oft machtlos. Das System lerne zwar aus dem, was man antippt, anschaut und teilt, doch man könne ihm nicht wirklich sagen, was man eigentlich sehen wolle.
Möglich wird die neue Transparenz durch grosse Sprachmodelle. Sie erlauben es Instagram, Content-Cluster in verständlicher Alltagssprache zu beschreiben. Dadurch bekommen Nutzer eine klarere Möglichkeit, dem System mitzuteilen, was es über ihre Vorlieben annehmen soll. Die KI übersetzt also komplexe Datenmuster in greifbare Themen, die jeder versteht und anpassen kann.
Vom «Social Media» zum «Interest Media»
Hinter dem Update steckt ein grösserer Wandel, den Unternehmer Gary Vaynerchuk treffend beschrieben hat: die Verschiebung von follower-basierten Feeds, also klassischem «Social Media», hin zu interessenbasierter Entdeckung, dem sogenannten «Interest Media».
Plattformen priorisieren Inhalte heute nicht mehr danach, wem jemand folgt, sondern danach, was tatsächlich Engagement erzeugt. Das bedeutet: Auch ein kleiner Account mit wenig Reichweite kann viral gehen, wenn sein Content die richtigen Interessen trifft. Umgekehrt garantiert eine grosse Followerzahl längst keine Sichtbarkeit mehr. Instagrams Update macht dieses Modell transparenter, indem es den Nutzern die Interessen zeigt, die hinter ihren Empfehlungen stehen.
Für dich als Marke oder Content-Creator ist das eine zentrale Erkenntnis. Die Zeiten, in denen es vor allem darum ging, möglichst viele Follower zu sammeln, sind vorbei. Heute zählt, wie gut dein Content zu den Interessen deiner Zielgruppe passt.
Was das für deine Content-Strategie bedeutet
Instagrams Entdeckung priorisiert zunehmend die Übereinstimmung mit den Interessen der Nutzer statt die reine Follower-Beziehung. Dein Content muss deshalb klare Themen und eine eindeutige Zielgruppen-Intention signalisieren, denn genau diese Signale entscheiden mit darüber, wo deine Empfehlungen auftauchen.
Konkret solltest du folgende Punkte beherzigen:
- Themenklarheit schaffen. Jeder Beitrag sollte ein erkennbares Thema haben. Vermeide beliebigen Content, der sich keiner klaren Interessenkategorie zuordnen lässt.
- Konsistent bleiben. Wenn du regelmässig zu denselben Themenfeldern postest, fällt es dem Algorithmus leichter, dich den richtigen Nutzern vorzuschlagen.
- Relevante Signale setzen. Nutze passende Captions, Hashtags und visuelle Elemente, die dein Thema eindeutig kommunizieren.
- Zielgruppen-Intention bedienen. Frag dich bei jedem Beitrag, welches Interesse er befriedigt und für welche Nutzer er gedacht ist.
- Engagement fördern. Da Engagement das zentrale Ranking-Signal bleibt, lohnt es sich, Inhalte zu schaffen, die zum Interagieren einladen.
Wer diese Prinzipien beherzigt, hat gute Chancen, auch ausserhalb der eigenen Follower-Basis gefunden zu werden.
Das ist erst der Anfang
Mosseri hat angekündigt, dass die Themensteuerung nur der erste Schritt ist. Instagram entwickelt bereits weitere Steuerungsmöglichkeiten, etwa für Personen, Stimmungen, Content-Typen und andere Signale. Die Plattform bewegt sich also klar in Richtung mehr Nutzerkontrolle und mehr Transparenz.
Für dich bedeutet das: Die Mechanismen der Sichtbarkeit werden offener und nachvollziehbarer, gleichzeitig steigen aber auch die Anforderungen an die Qualität und Klarheit deines Contents. Wer weiterhin auf beliebige Inhalte setzt, wird es schwerer haben. Wer dagegen gezielt für klar definierte Interessen produziert, profitiert.
Fazit
Mit der Ausweitung von «Your Algorithm» auf den Hauptfeed macht Instagram einen wichtigen Schritt hin zu mehr Nutzerkontrolle. Der Wandel vom follower-basierten «Social Media» zum interessenbasierten «Interest Media» wird damit sichtbarer und greifbarer. Für Marken ist das Chance und Herausforderung zugleich: Sichtbarkeit hängt heute weniger von der Followerzahl ab und mehr von der thematischen Klarheit und Relevanz deiner Inhalte.
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Quelle: Searchengineland.com
Über die Autorin

Lisa-Marie Unger
Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.



