Lisa-Marie Unger • 20. August 2026

Attributionsfenster in GA4 – Jetzt frei wählbar

Google Analytics lässt dich das Attributionsfenster jetzt auf den Tag genau festlegen. Statt fixer Vorgaben wählst du bei Klick-Conversions jeden Wert von 1 bis 90 Tagen, bei Engaged-View-Conversions von 1 bis 30 Tagen. Was diese Neuerung bringt und wo du sie einstellst.


Was Google geändert hat

Bisher warst du bei der Länge des Attributionsfensters an eine Handvoll vorgegebener Werte gebunden. Google Analytics hat diese Beschränkung nun aufgehoben und erlaubt für zwei Conversion-Typen frei gewählte ganzzahlige Werte.


Engaged-View-Conversions (EVC): Jeder Wert von 1 bis 30 Tagen ist möglich. Vorher war das Fenster fix auf 3 Tage gesetzt, ohne jede Anpassungsmöglichkeit.


Klick-Conversions (CTC): Jeder Wert von 1 bis 90 Tagen ist möglich. Bisher standen dir nur 1, 7, 14, 30, 60 oder 90 Tage zur Auswahl.


Die Einstellung findest du in Google Analytics unter Werbung, dann Conversion-Verwaltung, dann Einstellungen. Auch im verknüpften Google-Ads-Konto lässt sich der Wert in der Conversion-Verwaltung anpassen.

Notizbuch mit Symbolkacheln aus Holz und einem Stift auf einer hellgrauen Oberfläche.

Kurz erklärt: Was ein Attributionsfenster überhaupt macht

Das Attributionsfenster legt fest, wie lange nach einem Klick oder einer Videoansicht eine Conversion der jeweiligen Kampagne noch gutgeschrieben wird. Ein Beispiel: Jemand klickt am 1. September auf deine Anzeige, meldet sich aber erst am 20. September zur Beratung an. Bei einem Fenster von 14 Tagen zählt diese Anmeldung nicht als Conversion deiner Kampagne. Bei einem Fenster von 30 Tagen schon.


Die Anmeldung ist in beiden Fällen dieselbe. Nur die Zahl in deinem Report unterscheidet sich. Und genau diese Zahl entscheidet darüber, welche Kampagne als profitabel gilt, wo dein Budget hinfliesst und was die automatischen Gebotsstrategien lernen.


Bei den Engaged-View-Conversions geht es um Videoanzeigen: Hier wird gezählt, wenn jemand ein Video eine gewisse Zeit angesehen hat, nicht geklickt hat und später trotzdem konvertiert. Die alten 3 Tage waren dafür ein sehr enges Fenster. Video wirkt in der Regel früher im Entscheidungsprozess als eine Suchanzeige. Wer ein Erklärvideo zu einer Wärmepumpe sieht, holt selten am selben Abend eine Offerte ein. Mit bis zu 30 Tagen lässt sich dieser Effekt endlich abbilden, statt ihn pauschal auszublenden.


Warum das für Schweizer KMU relevant ist

Die Standardwerte von Google sind auf schnelle Kaufentscheidungen ausgelegt. Ein Paar Schuhe kauft man am selben Tag. Eine Photovoltaikanlage, eine neue Küche, eine Zahnbehandlung oder ein IT-Servicevertrag brauchen deutlich länger.


Genau hier lag das Problem. Wenn dein Verkaufszyklus im Schnitt 45 Tage dauert, dein Attributionsfenster aber auf 30 Tage steht, verschwindet ein relevanter Teil deiner Abschlüsse aus der Statistik. Die Kampagne sieht schlechter aus, als sie ist. Und wenn du auf Basis dieser Zahl kürzt, kürzt du unter Umständen genau dort, wo die Nachfrage entsteht.


Umgekehrt gilt dasselbe. Ein Restaurant, ein Coiffeursalon oder ein Notfalldienst hat kurze Entscheidungswege. Ein 90-Tage-Fenster schreibt hier Conversions einer Kampagne zu, mit der die spätere Buchung kaum noch etwas zu tun hatte. Auch das führt zu falschen Schlüssen.


Bis jetzt musstest du dich mit dem nächstbesten Vorgabewert begnügen. Neu kannst du den Wert setzen, der zu deinem Geschäft passt.


So findest du den richtigen Wert

Rate nicht, rechne. Google Analytics und Google Ads liefern dir die Grundlage dafür.


Schritt 1: Zeit bis zur Conversion auswerten. In Google Ads findest du unter den Attributionsberichten die Verteilung der Zeitspanne zwischen Klick und Conversion. Schau dir an, nach wie vielen Tagen rund 90 Prozent deiner Abschlüsse eingegangen sind. Dieser Wert ist ein guter Ausgangspunkt.


Schritt 2: Nach Conversion-Typ unterscheiden. Ein Newsletter-Abo passiert innerhalb von Minuten. Eine Offertanfrage dauert Tage. Ein unterschriebener Vertrag Wochen. Wenn du mehrere Conversion-Aktionen misst, sollten sie nicht zwingend dasselbe Fenster haben.


Schritt 3: Realität dazunehmen. Deine Verkaufsdaten kennen den Zyklus besser als jedes Tool. Wenn dein Verkauf sagt, dass zwischen erstem Kontakt und Auftrag typischerweise sechs Wochen liegen, ist ein 42-Tage-Fenster ehrlicher als ein 30-Tage-Fenster.


Schritt 4: Kanäle abgleichen. Wenn du parallel auf Meta oder LinkedIn wirbst, laufen dort eigene Attributionsfenster. Unterschiedliche Zeiträume erklären einen guten Teil der Widersprüche zwischen den Plattformberichten. Notiere dir die eingestellten Werte je Kanal, bevor du Zahlen nebeneinanderstellst.


Schritt 5: Änderung dokumentieren. Notiere Datum und alten Wert. Ohne diese Notiz erklärst du in drei Monaten einen Sprung in den Zahlen, den niemand mehr einordnen kann.


Zwei Dinge, die du beachten solltest

Erstens: Ein längeres Fenster erzeugt keine neuen Kunden. Es macht nur Abschlüsse sichtbar, die vorher unter den Tisch fielen. Deine Conversion-Zahlen steigen, dein Umsatz bleibt gleich. Wer diesen Unterschied vergisst, feiert eine Verbesserung, die keine ist.


Zweitens: Die automatischen Gebotsstrategien lernen mit den Daten, die du ihnen gibst. Änderst du das Fenster, änderst du die Lerngrundlage. Rechne mit einer Übergangsphase von zwei bis drei Wochen, in der die Werte schwanken. Wechsle deshalb nicht mitten in einer wichtigen Kampagnenphase und ändere nicht mehrere Einstellungen gleichzeitig, sonst weisst du am Ende nicht, was gewirkt hat.


Ein dritter Punkt der Vollständigkeit halber: Die Umstellung ist kein Rückwirkungswunder. Historische Daten bleiben, wie sie sind. Der Vergleich zwischen Vorher und Nachher hinkt entsprechend, und du solltest ihn in Berichten sauber kennzeichnen. Ein kurzer Vermerk mit Datum und neuem Wert direkt im Monatsreport genügt und erspart dir später unnötige Diskussionen über angebliche Kampagnenerfolge.


Unser Fazit

Diese Änderung ist unspektakulär und trotzdem eine der nützlicheren des Sommers. Sie kostet nichts, sie ist in wenigen Minuten umgesetzt, und sie kann das Bild deiner Kampagnen spürbar korrigieren.


Der eigentliche Gewinn liegt nicht in der neuen Zahl selbst, sondern in der Frage, die sie dir stellt: Wie lange dauert es bei dir wirklich, bis aus einem Klick ein Kunde wird? Viele Unternehmen haben darauf keine belastbare Antwort und messen deshalb seit Jahren an ihrem eigenen Geschäft vorbei.


Nimm dir eine halbe Stunde, schau dir die Zeitspanne bis zur Conversion in deinem Konto an und setze das Fenster passend dazu. Wenn du dabei feststellst, dass ein spürbarer Teil deiner Abschlüsse ausserhalb des bisherigen Fensters lag, hast du eine der häufigsten Fehlerquellen in der Kampagnenbewertung beseitigt. Und du triffst deine nächste Budgetentscheidung auf einer Grundlage, die deinem Verkaufszyklus tatsächlich entspricht.


Quelle: Searchengineland.com

Über die Autorin

Eine Frau mit lockigem Haar trägt ein weißes Hemd und lächelt.

Lisa-Marie Unger

Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.


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