AI Max - Der Migrationsfahrplan für Search-Kampagnen
Google macht Ernst: Ab September migriert der Konzern Search-Kampagnen automatisch zu AI Max. Campaign-level Broad Match und Automatically Created Assets fallen zuerst, Dynamic Search Ads folgen 2027. Hier erfährst du, welche Termine zählen und was du jetzt vorbereiten solltest.
Was Google angekündigt hat
Lange war unklar, wann genau die klassischen Bausteine einer Search-Kampagne verschwinden. Jetzt liegt ein konkreter Zeitplan auf dem Tisch. Google stellt ältere Kampagnenfunktionen schrittweise und automatisch auf AI Max um, den Funktionsbaukasten, mit dem Suchkampagnen stärker durch Googles KI gesteuert werden.
Betroffen sind drei Bausteine, die in vielen Accounts seit Jahren im Einsatz sind: Campaign-level Broad Match, Automatically Created Assets (ACA) und Dynamic Search Ads (DSA). Der Übergang beginnt im September 2026 und zieht sich bis ins Frühjahr 2027.
Die gute Nachricht vorweg: Google migriert die betroffenen Kampagnen laut eigener Aussage direkt an Ort und Stelle und übersetzt bestehende Einstellungen in die jeweils passenden AI-Max-Äquivalente. Auch deine Brand-Inclusions und -Exclusions werden automatisch mitgenommen. Du musst also keine Kampagne neu aufbauen – aber du solltest sehr genau hinschauen, was nach der Umstellung tatsächlich in deinem Konto steht.
Diese Termine solltest du dir notieren
Der Fahrplan verteilt sich über gut ein Jahr:
- 3. August 2026: Der Stichtag ist bereits verstrichen. Seitdem lassen sich keine neuen Campaign-level-Broad-Match-Konfigurationen und keine klassischen ACA-Kampagnen mehr anlegen – weder im Google-Ads-Interface noch im Ads Editor oder über die API.
- 1. bis 30. September 2026: Die automatische Migration von Campaign-level Broad Match und ACA auf AI Max läuft. Google rollt schrittweise über den ganzen Monat aus, nicht auf einen Schlag.
- September 2026: Parallel starten die ersten Hinweise im Konto, mit denen Google zum freiwilligen Upgrade von Dynamic Search Ads auffordert.
- 15. Januar 2027: Es folgt eine Erinnerungsbenachrichtigung an alle Werbetreibenden, die weiterhin klassische DSAs einsetzen.
- 1. bis 28. Februar 2027: Die automatische DSA-Migration beginnt. Gleichzeitig fällt die Möglichkeit weg, neue DSA-Anzeigengruppen zu erstellen – dauerhaft.
- Rund September 2027: Ältere API-Versionen, die die alten Broad-Match- und ACA-Entitäten noch unterstützen, erreichen voraussichtlich ihr reguläres Sunset-Datum.
Warum Dynamic Search Ads mehr Zeit bekommen
Dass DSAs erst ein halbes Jahr später drankommen, ist kein Zufall. Für viele Shops und Publisher mit grossen Sortimenten sind sie die tragende Säule der Long-Tail-Abdeckung – teilweise verantworten sie einen erheblichen Anteil des Suchvolumens im Konto. Eine abrupte Umstellung hätte dort spürbare Folgen.
Google schiebt deshalb eine mehrstufige Warnphase vor die Zwangsmigration: erst Hinweise im September, dann Erinnerungen im Januar, dann die automatische Umstellung im Februar. Übersetzt heisst das: Du hast rund ein halbes Jahr, um die Umstellung selbst zu steuern, statt sie über dich ergehen zu lassen. Wer freiwillig migriert, kann testen, vergleichen und im Zweifel nachjustieren. Wer wartet, bekommt das Ergebnis mitten im ersten Quartal serviert – einer Phase, in der viele Accounts ohnehin sensibel auf Schwankungen reagieren.
Was Entwickler jetzt prüfen müssen
Der Teil der Ankündigung, der leicht untergeht, betrifft die technische Ebene. API-Versionen, die nach dem 1. September 2026 erscheinen, unterstützen die alten Campaign-level-Broad-Match- und ACA-Entitäten gar nicht mehr. Ältere Versionen laufen zwar bis zu ihrem regulären Sunset weiter – erwartet wird dieser um September 2027 –, aber das ist eine Schonfrist, kein Dauerzustand.
Für Agenturen und grössere In-house-Teams ist das kein reines Entwicklerthema. Wer Dutzende oder Hunderte Konten betreut, sollte die Umstellung als Projekt behandeln: mit klarer Verantwortlichkeit, einem Zeitfenster im Kalender und einer Liste der Konten, die zuerst geprüft werden.
Google empfiehlt ausdrücklich, Skripte und Tools jetzt zu auditieren und auf AI-Max-Einstellungen umzustellen. Betroffen ist mehr, als man auf den ersten Blick denkt: automatisierte Kampagnenerstellung, Bulk-Uploads, Reporting-Pipelines, Bid-Management-Layer und selbstgebaute Google-Ads-Skripte. Wenn eine dieser Integrationen auf einer Entität aufsetzt, die es bald nicht mehr gibt, fällt das im schlimmsten Fall erst auf, wenn ein Prozess still und leise nichts mehr tut.
Praktischer Tipp: Erstelle eine Inventarliste aller Automationen, die auf Kampagnenstrukturen zugreifen – inklusive der Tools von Drittanbietern. Frage bei externen Plattformen aktiv nach dem Migrationsstatus, statt darauf zu vertrauen, dass sie rechtzeitig nachziehen.
Dein Fahrplan für die nächsten Monate
Verschaff dir zuerst einen Überblick. Filtere deine Search-Kampagnen danach, welche noch Campaign-level Broad Match, ACA oder DSAs nutzen. Halte fest, wie viel Budget und wie viele Conversions daran hängen. Diese Zahlen sind deine Referenz für alles, was danach kommt.
Sichere deine Baseline. Exportiere Performance-Daten der letzten Monate auf Kampagnen- und Anzeigengruppenebene: Kosten, Conversions, CPA oder ROAS, Suchbegriffe. Nach der Migration wirst du erklären müssen, ob Veränderungen von AI Max kommen oder von Saisonalität, Wettbewerb und Marktentwicklung. Ohne saubere Vorher-Daten wird das Rätselraten.
Räum bei den Ausschlüssen auf. AI Max weitet die Reichweite tendenziell aus. Prüfe daher deine Listen mit auszuschliessenden Keywords, deine Brand-Einstellungen und – bei DSAs – die Seitenausschlüsse. Veraltete Produktseiten, Karriereseiten, Blogartikel oder Support-Inhalte, die keine Conversion bringen, gehören vorher aussortiert.
Migriere bewusst statt zufällig. Bei Broad Match und ACA ist der Zug abgefahren, hier bleibt nur beobachten. Bei DSAs hast du dagegen die Wahl. Nimm dir eine mittelgrosse Kampagne mit stabiler Datenlage, stelle sie freiwillig um und lass sie zwei bis vier Wochen laufen, bevor du die grossen Umsatzträger anfasst.
Beobachte die Suchbegriffe engmaschig. In den ersten Wochen nach jeder Umstellung lohnt sich ein wöchentlicher Blick in den Suchbegriffsbericht. Achte auf neue Themenfelder, auf Anfragen mit falscher Kaufabsicht und auf Begriffe, die auf die falsche Landingpage führen.
Informiere alle, die es betrifft. Wenn Reporting, Geschäftsführung oder Kunden monatliche Zahlen sehen, kündige die Migration vorher an. Eine erklärte Schwankung ist deutlich weniger unangenehm als eine, die im Nachhinein gerechtfertigt werden muss.
Fazit: Die Richtung ist entschieden
Der Zeitplan bestätigt, was sich seit Monaten abzeichnet: AI Max wird zum Standard für Suchkampagnen, und die manuell konfigurierbaren Bausteine der letzten Jahre verschwinden Schritt für Schritt. Diskutieren lässt sich darüber nicht mehr, wohl aber, wie gut du vorbereitet bist.
Der Unterschied zwischen einer reibungslosen und einer schmerzhaften Umstellung liegt selten in der Technik. Er liegt darin, ob du weisst, was vorher da war, ob deine Ausschlüsse sauber sind und ob du Veränderungen erkennst, bevor sie im Monatsreport auffallen.
Quelle: Searchengineland.com
Über die Autorin

Lisa-Marie Unger
Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.



