Lisa-Marie Unger • 17. Juli 2026

ChatGPT Ads - KI erstellt jetzt deine Anzeigen

OpenAI hat in ChatGPT Ads eine neue Funktion ausgerollt: Die KI erstellt komplette Anzeigen für dich, du musst sie nur noch prüfen und freigeben. Was nach Zeitersparnis klingt, birgt Risiken für Marke und Budget. Wir zeigen dir, was dahintersteckt und worauf du achten musst.

Was OpenAI neu ausgerollt hat

OpenAI hat in seiner Werbeplattform ChatGPT Ads eine Funktion aktiviert, mit der Anzeigen automatisch erstellt werden. Du findest sie unter der Option "Add new ad", also beim Anlegen einer neuen Anzeige. Dort taucht neu der Hinweis "generate ads for you" auf. Statt jedes Element selbst zu formulieren, kannst du ChatGPT die Anzeige entwerfen lassen und sie danach prüfen, anpassen und für die Auslieferung freigeben.



Dass hier KI im Spiel ist, liegt nahe, auch wenn OpenAI es nicht in jedem Detail offenlegt. Der Autor der Originalmeldung, Barry Schwartz von Search Engine Land, geht ebenfalls davon aus, dass die Funktion auf generativer KI basiert. Für ein Unternehmen, dessen Kerngeschäft genau diese Technologie ist, wäre alles andere überraschend.

Laptop, auf dem ein Produktmodell auf einem Schreibtisch zu sehen ist, daneben eine Kaffeetasse und ein Notizbuch sowie eine Hand auf dem Trackpad

So sieht die Funktion in der Praxis aus

Bekannt wurde das Feature über einen Screenshot, den Anthony Higman auf der Plattform X geteilt hat. Darauf ist die Systemmeldung zu sehen: OpenAI erzeugt eine Anzeigenvariante auf Basis deiner Website und deiner Kampagneneinstellungen. Du bekommst also keinen Blankoentwurf, sondern eine Anzeige, die bereits auf deine Ziele und deine Seite abgestimmt sein soll. Anschliessend prüfst du sie, bearbeitest sie bei Bedarf und aktivierst sie, sobald du zufrieden bist.


Higman entdeckte zusätzlich eine Option zum schnellen Duplizieren von Anzeigen. Damit lassen sich bestehende Anzeigen mit wenigen Klicks kopieren und als Ausgangspunkt für Varianten nutzen. Beide Funktionen zielen in dieselbe Richtung: Sie sollen den Aufwand senken, der zwischen der Idee und der fertigen, ausgelieferten Anzeige liegt.


Der eigentliche Ablauf bleibt dabei überschaubar. Du legst eine neue Anzeige an, überlässt der KI den Entwurf und erhältst innerhalb von Sekunden einen fertigen Vorschlag. Ab diesem Punkt liegt die Kontrolle wieder bei dir: Du entscheidest, ob der Entwurf so bleibt, ob du ihn umschreibst oder ob du ihn ganz verwirfst. Freigeschaltet wird erst, was du selbst bestätigst.

Warum OpenAI diesen Schritt geht

Der Grund für die Funktion ist wirtschaftlich nachvollziehbar. Je einfacher es ist, eine Anzeige zu erstellen, desto mehr Anzeigen landen auf der Plattform, und zwar schneller. Für OpenAI bedeutet das mehr Werbevolumen und damit mehr Umsatz mit ChatGPT. Die Hürde, überhaupt eine Kampagne zu starten, sinkt spürbar, wenn die KI den ersten Entwurf gleich mitliefert.


Das passt in einen grösseren Trend. Werbeplattformen bauen KI seit Jahren tiefer in ihre Systeme ein, von automatisierten Geboten bis zu generierten Textbausteinen. Google testet KI-generierte Zusammenfassungen in Suchanzeigen, und auch andere Anbieter experimentieren damit, den kreativen Teil der Anzeigenerstellung an die Maschine zu übergeben. OpenAI geht mit ChatGPT Ads nun einen ähnlichen Weg, allerdings von der KI-Seite her gedacht: Die Plattform selbst ist die KI.

Was das für dich als Werbetreibende bedeutet

Auf den ersten Blick ist das eine gute Nachricht. Wer wenig Zeit oder wenig Erfahrung im Anzeigentexten hat, bekommt einen fertigen Entwurf und muss nicht bei null anfangen. Gerade für kleine Unternehmen, die ihre Werbung selbst betreuen, kann das den Einstieg erleichtern.


Der Haken liegt im Detail. Eine automatisch erzeugte Anzeige kennt deine Marke nicht so gut wie du. Sie orientiert sich an deiner Website und deinen Einstellungen, trifft aber nicht zwingend deinen Tonfall, deine Positionierung oder die feinen Unterschiede, die dich von deiner Konkurrenz abheben. Formulierungen können generisch wirken, Aussagen ungenau sein oder Versprechen enthalten, die du so nicht machen willst oder rechtlich gar nicht machen darfst.


Dazu kommt die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Eine Anzeige, die schnell erstellt ist, ist noch lange keine Anzeige, die rentiert. Wenn du die generierten Vorschläge ungeprüft aktivierst, riskierst du Streuverluste und Budget, das an Klicks ohne Wert fliesst. Die KI optimiert nicht automatisch auf deinen Return on Investment, sie liefert einen Entwurf.


Für Schweizer KMU ist dieser Punkt besonders wichtig. Werbebudgets sind hier oft überschaubar, und jeder Franken soll wirken. Eine generische Anzeige, die zwar schnell online ist, aber am Zielpublikum vorbeiredet, kostet dich nicht nur Geld, sondern auch die Chance, dich klar von der Konkurrenz abzuheben. Genau dieser Feinschliff entscheidet in einem kleinen Markt häufig über Erfolg oder Misserfolg einer Kampagne.

Worauf du konkret achten solltest

Nutze die Funktion als Startpunkt, nicht als Endergebnis. Genau dazu rät auch Search Engine Land: Prüfe jede generierte Anzeige sorgfältig, bevor sie live geht.


Kontrolliere zuerst die Botschaft. Passt die Aussage zu dem, was du wirklich anbietest, und stimmt sie mit deiner Markenkommunikation überein? Achte auf falsche oder übertriebene Behauptungen, auf den richtigen Tonfall und darauf, dass die wichtigsten Verkaufsargumente tatsächlich vorkommen.


Prüfe danach die rechtliche Seite. Gerade in der Schweiz gelten klare Regeln gegen irreführende Werbung. Preisangaben, Superlative wie "der Beste" und Aussagen über Mitbewerber solltest du nie ungeprüft aus einem KI-Entwurf übernehmen.


Behalte drittens die Zahlen im Blick. Lass generierte Anzeigen nicht einfach laufen, sondern beobachte Klickrate, Conversions und Kosten. Vergleiche sie mit deinen bisherigen Anzeigen und pausiere, was nicht liefert. Die eingesparte Zeit beim Erstellen bringt nur dann etwas, wenn du sie in die Auswertung investierst.

Wenn du deine Kampagnen professionell aufsetzen und laufend optimieren lassen willst, unterstützen wir dich gern dabei.

Fazit

Die neue Funktion in ChatGPT Ads zeigt, wohin die Reise geht: KI übernimmt nicht nur die Auslieferung, sondern zunehmend auch die Erstellung von Werbung. Das spart Zeit und senkt die Einstiegshürde, verlagert die Verantwortung aber nicht. Am Ende bist du es, der freigibt, und du haftest für das, was ausgeliefert wird.


Unser Rat: Probiere die Funktion aus, aber behandle jeden Entwurf wie eine erste Rohfassung. Eine Anzeige, die zu deiner Marke passt und rentiert, entsteht nach wie vor dort, wo Mensch und Maschine zusammenarbeiten, nicht dort, wo die Maschine allein entscheidet.


Quelle: Searchengineland.com

Über die Autorin

Eine Frau mit lockigem Haar trägt ein weißes Hemd und lächelt.

Lisa-Marie Unger

Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.


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