Lisa-Marie Unger • 4. Mai 2026

Google Ads - Budget-Pacing für geplante Kampagnen

Wer Google Ads mit eingeschränkten Anzeigenzeiten betreibt, also zum Beispiel nur an Werktagen, zu bestimmten Tageszeiten oder an ausgewählten Wochentagen, sollte ab Juni 2026 genauer hinschauen. Google ändert die Art und Weise, wie Budgets für solche Kampagnen verteilt werden.


Was Budget-Pacing überhaupt ist und warum es wichtig ist

Bevor wir in die Änderung eintauchen, kurz zur Einordnung: Budget-Pacing beschreibt, wie Google das verfügbare Tages- oder Monatsbudget über die Zeit verteilt. Das Ziel ist es, das Budget möglichst gleichmässig auszuschöpfen, ohne es zu früh zu verbrauchen oder am Monatsende ungenutzt zu lassen.


Bisher funktionierte das Pacing bei Kampagnen mit Anzeigenplanung so: Google berücksichtigte, an wie vielen Tagen eine Kampagne tatsächlich aktiv ist, und verteilte das Budget entsprechend auf diese aktiven Tage. Wer nur fünf von sieben Wochentagen Anzeigen schaltete, bekam sein Budget auf diese fünf Tage aufgeteilt und Google hielt sich zurück, wenn Kampagnen pausiert waren.

Münzen, die auf Finanzdiagrammen und -grafiken auf einem Schreibtisch gestapelt sind

Was sich ab Juni 2026 ändert

Ab dem 1. Juni 2026 werden Kampagnen ihr Budget auf das volle monatliche Limit hin ausrichten, also das 30,4-fache des Tagesbudgets, unabhängig davon, an wie vielen Tagen die Anzeigen tatsächlich ausgespielt werden. Bisher wurde das Pacing typischerweise auf die Anzahl der aktiven Tage in der Planung abgestimmt.


Was bedeutet das konkret? Angenommen, du hast eine Kampagne mit einem Tagesbudget von 100 Franken, die nur an Werktagen läuft, also an etwa 22 Tagen pro Monat statt an 30,4. Bisher hätte Google das Budget auf diese 22 Tage verteilt und die Ausgaben entsprechend moderiert. Ab Juni zielt das System stattdessen darauf ab, das volle Monatsbudget von 3'040 Franken zu erreichen und verteilt diesen Betrag auf die 22 aktiven Tage. Das bedeutet: An jedem aktiven Tag kann Google deutlich aggressiver ausgeben als zuvor.


Was sich nicht ändert

Die täglichen und monatlichen Obergrenzen bleiben unverändert. Kampagnen überschreiten weiterhin nicht das Doppelte des Tagesbudgets an einem einzelnen Tag und nicht das 30,4-fache über einen Monat. Anzeigen werden auch weiterhin nicht an deaktivierten Tagen ausgespielt.


Das ist ein wichtiger Punkt: Google bricht keine bestehenden Budgetgrenzen. Die Änderung betrifft ausschliesslich die interne Logik, wie das System entscheidet, wie viel Budget es an einem gegebenen aktiven Tag einsetzt, nicht die absoluten Höchstwerte.


Warum Google diese Änderung vornimmt

Google priorisiert mit dieser Änderung die vollständige Budgetausschöpfung gegenüber einer gleichmässig verteilten Ausgabe und gibt seinen Systemen damit mehr Flexibilität, Nachfrage zu nutzen, wenn Kampagnen aktiv sind.


Das ist ein Muster, das sich durch viele Google-Ads-Updates der letzten Jahre zieht: Das System bekommt mehr Spielraum, um im Rahmen der gesetzten Grenzen eigenständig zu optimieren. Google argumentiert dabei stets mit besseren Gesamtergebnissen, mehr Conversions, niedrigere CPAs, bessere ROAS. Ob das in jedem Einzelfall zutrifft, hängt stark von der Kampagnenstruktur und den Zielen ab.


Wer konkret betroffen ist

Besonders relevant ist diese Änderung für alle, die mit eingeschränkten Anzeigenplänen arbeiten. Das betrifft typischerweise folgende Szenarien: Kampagnen, die nur an Werktagen laufen, weil das Unternehmen am Wochenende geschlossen ist. Kampagnen mit eingeschränkten Tageszeiten, etwa nur zwischen 8 und 18 Uhr. Saisonale Kampagnen, die nur in bestimmten Wochen oder Monaten aktiv sind. Branchenspezifische Kampagnen, bei denen die Zielgruppe nur zu bestimmten Zeiten aktiv ist.


Werbetreibende mit eingeschränkten Zeitplänen müssen möglicherweise ihre Budgets und Performance-Erwartungen überprüfen, da sich die Ausgaben stärker auf aktive Tage konzentrieren könnten.


Ein konkretes Beispiel

Nehmen wir eine Kampagne, die nur in der ersten Monatshälfte läuft – also an 15 von 30,4 Tagen. Mit dem alten Pacing hätte Google das Budget auf diese 15 Tage verteilt und das restliche Monatsbudget unangetastet gelassen. Mit dem neuen Pacing zielt das System stattdessen auf das volle Monatsbudget ab – und kann daher an jedem der 15 aktiven Tage bis zur täglichen Obergrenze ausgeben, ohne irgendwo bremsen zu müssen. Das Ergebnis: Die Ausgaben steigen an aktiven Tagen signifikant, das Monatsbudget wird in kürzerer Zeit verbraucht.


Für Kampagnen mit sehr engen Budgets und kurzen Laufzeiten kann das bedeuten, dass das Budget früher als erwartet ausgeschöpft ist – mit direkten Auswirkungen auf die Reichweite gegen Ende der geplanten Laufzeit.


Was du jetzt konkret tun solltest

Der erste Schritt ist eine Bestandsaufnahme: Welche deiner aktuellen Kampagnen verwenden eine eingeschränkte Anzeigenplanung? Für alle diese Kampagnen lohnt sich eine sorgfältige Überprüfung der Budgeteinstellungen, bevor die Änderung am 1. Juni in Kraft tritt.


Konkret empfiehlt sich folgendes: Überprüfe, ob das aktuelle Tagesbudget auch bei aggressiverem Pacing an aktiven Tagen noch mit deinen Zielen vereinbar ist. Überlege, ob eine Anpassung des Tagesbudgets nach unten sinnvoll ist, um die Gesamtausgaben stabil zu halten. Beobachte nach dem 1. Juni genau, wie sich der tägliche Spend entwickelt – insbesondere in den ersten zwei bis drei Wochen nach der Umstellung. Überprüfe auch, ob die Kampagnenziele und Gebotsstrategien zur neuen Pacing-Logik passen. Kampagnen, die auf Conversion-Volumen optimiert sind, könnten von der aggressiveren Ausgabe profitieren. Kampagnen mit starren Budget-Obergrenzen und wenig Flexibilität brauchen möglicherweise eine manuelle Anpassung.


Der grössere Kontext: Googles Weg zur vollständigen Budgetausschöpfung

Diese Änderung reiht sich in eine längerfristige Entwicklung ein: Google gibt seinen automatisierten Systemen schrittweise mehr Kontrolle über die Budgetverteilung. Ähnliche Anpassungen gab es bereits bei Smart Bidding, bei der Behandlung von Budget-Überschreitungen und bei der Einführung des monatlichen Budgetlimits selbst.


Die übergeordnete Logik dahinter ist nachvollziehbar: Mehr Flexibilität für den Algorithmus bedeutet theoretisch bessere Nutzung von Nachfragespitzen und damit effizientere Kampagnenergebnisse. In der Praxis bedeutet es aber auch, dass Werbetreibende weniger direkte Kontrolle über die tägliche Ausgabenverteilung haben – und entsprechend aufmerksamer sein müssen.


Fazit

Googles Änderung des Budget-Pacings für geplante Kampagnen ist auf den ersten Blick ein technisches Detail, hat aber bei bestimmten Kampagnenstrukturen spürbare Auswirkungen auf den tatsächlichen Spend. Wer mit eingeschränkten Anzeigenplänen arbeitet, sollte die eigenen Budgets vor dem 1. Juni überprüfen und sicherstellen, dass die neue Pacing-Logik nicht zu unerwarteten Ausgaben führt. Wer jetzt handelt, vermeidet böse Überraschungen und kann die Änderung möglicherweise sogar für sich nutzen.


Quelle: Searchengineland.com

Über die Autorin

Eine Frau mit lockigem Haar trägt ein weißes Hemd und lächelt.

Lisa-Marie Unger

Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.


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