ChatGPT schaltet CPC-Werbung – Was das bedeutet
Die Werbewelt steht vor einer neuen Realität: ChatGPT ist nicht mehr nur ein KI-Assistent, der Fragen beantwortet, es wird zu einem ernstzunehmenden Werbekanal mit Performance-Anspruch. OpenAI hat damit begonnen, Cost-per-Click-Anzeigen (CPC) innerhalb von ChatGPT zu testen.
Was genau passiert
OpenAI testet derzeit CPC-Werbung innerhalb von ChatGPT, bei der Werbetreibende nur dann zahlen, wenn Nutzerinnen und Nutzer tatsächlich auf eine Anzeige klicken, nicht bereits beim blossen Einblenden. Das ist ein fundamentaler Unterschied zum bisherigen Modell, das auf CPM basierte, also auf dem Preis pro tausend Impressionen.
Erste Berichte deuten darauf hin, dass Klicks im Bereich von 3 bis 5 US-Dollar gehandelt werden. Das neue Format wird über einen eigenständigen Ads Manager eingeführt und läuft parallel zum bestehenden CPM-Modell.
Der Rollout erfolgt zunächst in limitiertem Rahmen, aber die Richtung ist klar: OpenAI baut ChatGPT systematisch zu einer vollwertigen Werbeplattform aus.
Warum OpenAI diesen Schritt jetzt geht
Ein wesentlicher Treiber hinter dem Wechsel zu CPC ist der Preisdruck. Die CPM-Preise für ChatGPT-Werbung sind seit dem Launch deutlich gefallen, von rund 60 US-Dollar auf teilweise nur noch 25 US-Dollar. Impression-basierte Erlösmodelle verlieren damit an Attraktivität, wenn die Preise sinken und das Volumen nicht proportional wächst.
CPC löst dieses Problem strukturell: Statt für Sichtbarkeit zu zahlen, wird ausschliesslich für tatsächliche Nutzerinteraktionen abgerechnet. Das macht die Kostenseite für OpenAI stabiler und die Anzeigen für Werbetreibende leichter rechtfertigbar, denn jeder ausgegebene Franken ist direkt an eine messbare Aktion geknüpft.
Was das für Werbetreibende bedeutet
CPC-Werbung verwandelt ChatGPT von einem Branding-Umfeld in einen Performance-Kanal. Budgets können nun direkt an messbare Aktionen geknüpft und der ROI leichter mit anderen Kanälen wie Google Search verglichen werden.
Das öffnet eine interessante Tür: Wer früh dabei ist, kann erste Erfahrungen sammeln, bevor der Wettbewerb zunimmt und die Klickpreise steigen. Es bietet ausserdem frühzeitigen Zugang zu einer potenziell kaufbereiten Zielgruppe in einem neuen Format, ein klassischer First-Mover-Vorteil.
Gleichzeitig muss man die Erwartungen realistisch einordnen. ChatGPT ist kein klassischer Suchkanal, Nutzerinnen und Nutzer kommen mit einem Gespräch, nicht mit einer Suchanfrage. Das verändert den Kontext, in dem Anzeigen ausgespielt werden, grundlegend.
Die strategische Dimension: Direkter Angriff auf Googles Kerngeschäft
Das CPC-Modell ist mehr als eine Preisanpassung, es ist eine strategische Neupositionierung. CPC-Werbung war bisher fest in Googles Hand, aufgebaut auf klaren Nutzerabsichten und starken Intent-Signalen. Indem OpenAI dasselbe Modell einführt, positioniert es ChatGPT als Konkurrenten um Performance-Marketing-Budgets – nicht nur um Markenwerbung.
Das ist eine direkte Herausforderung für Google Search. Wer bisher sein gesamtes Performance-Budget bei Google Ads platziert hat, bekommt nun eine Alternative, zumindest in der Theorie. Ob ChatGPT in der Praxis vergleichbare Conversion-Raten liefern kann, ist die entscheidende Frage, die sich erst mit ausreichend Kampagnendaten beantworten lässt.
Die grosse offene Frage: Wie gut ist die Kaufabsicht?
Die eigentliche Herausforderung für OpenAI liegt im Nachweis der Kaufabsicht. Suchanzeigen funktionieren, weil Nutzerinnen und Nutzer aktiv nach etwas suchen. ChatGPT muss beweisen, dass sein konversationeller Kontext ähnlich wertvolle Klicks erzeugen kann. Werbetreibende werden die Performance direkt mit Google messen – das setzt die Latte für Qualität und Conversion-Rate hoch.
Das ist ein berechtigter Einwand. Wer bei Google nach «Steuerberater Winterthur» sucht, hat eine klare Absicht. Wer ChatGPT fragt «Wie finde ich einen guten Steuerberater?», befindet sich in einem anderen Gesprächsmodus. Die Frage, ob kontextuelle KI-Werbung in diesem Setting ähnlich starke Conversion-Signale erzeugen kann wie klassische Suchanzeigen, ist das Herzstück der ganzen Diskussion.
Werbung als zentraler Baustein von OpenAIs Geschäftsmodell
Werbung wird zum zentralen Bestandteil von OpenAIs langfristiger Umsatzstrategie. Die Investitionen in Anzeigen-Infrastruktur, Mess-Tools und eine breitere Self-Serve-Plattform zeigen, dass es sich nicht um ein Experiment handelt, sondern um eine strukturelle Weichenstellung.
Das macht Sinn: ChatGPT hat eine riesige und wachsende Nutzerbasis, aber das Abonnementmodell allein trägt ein Unternehmen dieser Grössenordnung auf Dauer nicht. Werbung ist die naheliegendste und skalierbarste Einnahmequelle und mit CPC bekommt sie endlich den Performance-Charakter, den Werbetreibende einfordern.
Was du jetzt tun solltest
Für Agenturen und Unternehmen, die im Performance-Marketing aktiv sind, lohnt es sich, ChatGPT-Werbung ab sofort auf dem Radar zu haben. Konkret empfiehlt sich folgendes: Die Entwicklung der Klickpreise und des verfügbaren Inventars beobachten, sobald die Plattform breiter zugänglich wird erste Testkampagnen mit kleinem Budget aufsetzen, und die Performance direkt mit vergleichbaren Google-Kampagnen messen.
Wer früh testet, gewinnt Daten und Daten sind im Performance-Marketing die wertvollste Währung.
Fazit
Mit der Einführung von CPC-Ads tritt OpenAI in direkte Konkurrenz zu den etablierten Performance-Marketing-Plattformen an und kämpft um genau jene Werbebudgets, die bisher fast ausschliesslich bei Google, Meta und Co. gelandet sind. Ob ChatGPT diesen Anspruch einlösen kann, hängt davon ab, wie überzeugend die Plattform Kaufabsicht erzeugen und messbar machen kann. Die nächsten Monate werden zeigen, ob KI-Werbung wirklich das nächste grosse Kapitel im Performance-Marketing aufschlägt.
Quelle: Searchengineland.com
Über die Autorin

Lisa-Marie Unger
Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.



