ChatGPT-Werbung kommt – So bereitest du dich vor
Die Werbewelt steht vor einer neuen Ära: OpenAI hat begonnen, Anzeigen in ChatGPT zu testen. Zunächst für eine begrenzte Gruppe von Nutzern in den USA, klar als «Sponsored» gekennzeichnet. Doch die Zeichen stehen auf Ausweitung. Wer hier aufmerksam ist, verschafft sich einen Vorteil.
Warum OpenAI auf Werbung setzt
Der Schritt hin zu Werbung ist für OpenAI wirtschaftlich nahezu unausweichlich. Eine Anfrage an ein grosses Sprachmodell kostet schätzungsweise zehnmal mehr als eine klassische Suchanfrage und ChatGPT verarbeitet täglich rund 2,5 Milliarden Prompts. Diese Kosten müssen sich irgendwann refinanzieren.
Dazu kommt ein entscheidender Datenvorteil: ChatGPT-Nutzer haben der Plattform über Jahre hinweg Fragen, Ideen und persönliche Präferenzen anvertraut. In vielerlei Hinsicht kennt OpenAI seine User besser als jede andere Werbeplattform. Die grosse Frage ist, wie diese Daten künftig für zielgerichtete Werbung genutzt werden.
Ein neuer Kanal für «Demand Capture»
Was ChatGPT besonders interessant macht, ist das Potenzial als sogenannter Demand-Capture-Kanal, also ein Kanal, der Nutzer genau im Moment ihrer Kaufabsicht anspricht. Stell dir vor: Jemand fragt ChatGPT nach einer Sicherheitskamera, die mit dem vorhandenen Smart-Home-System kompatibel ist. Die KI kennt den Kontext, liefert die passende Empfehlung und direkt dazu einen Kauflink. Das wäre der erste wirklich neue Demand-Capture-Kanal seit der Einführung von Google Ads vor rund zwei Jahrzehnten.
Allerdings gibt es derzeit noch deutliche Hürden. Die meisten KI-Anfragen sind informationsorientiert, Nutzer fragen nach Rezepten, Workout-Tipps oder Allgemeinwissen, nicht nach Produkten. Ausserdem fehlt bislang eine saubere Conversion-Attribution: Viele Nutzer recherchieren in ChatGPT, kaufen aber anschliessend auf Amazon oder Google. Das macht die Erfolgsmessung schwierig. Google musste einst denselben Weg gehen, vom «Hausaufgaben-Tool» zur Shopping-Plattform. Auch ChatGPT wird Zeit brauchen, um Nutzer zu kauforientierten Anfragen zu erziehen.
Kein grösserer Kuchen – nur neu verteilt
Eine wichtige Erwartungskorrektur: ChatGPT-Werbung wird den Werbemarkt nicht vergrössern. Der E-Commerce wächst unabhängig von neuen Plattformen in seinem eigenen Tempo. Was ChatGPT tun wird, ist Marktanteile von Google, Meta und Amazon umverteilen. Besonders Google dürfte sich nicht kampflos geschlagen geben, mit Gemini und einer bestehenden Advertiser-Basis hat der Suchgigant starke Argumente auf seiner Seite.
Was ChatGPT jedoch einzigartig machen könnte, ist Hyper-Personalisierung in einem Ausmass, das Google und Amazon schlicht nicht bieten können. Weil Nutzer die Plattform für alles nutzen, von Urlaubsplanung bis zu persönlichen Entscheidungen, ist das Profilwissen enorm. Daraus liessen sich Produktempfehlungen generieren, die präziser und kontextrelevanter sind als alles bisher Dagewesene. Allerdings birgt das auch Risiken: Zu aufdringliche Personalisierung kann Nutzer abschrecken, wie Meta bereits schmerzhaft lernen musste.
Was du jetzt konkret tun solltest
OpenAI hat bereits begonnen, erste Advertiser direkt anzusprechen. Bis ChatGPT-Werbung breit verfügbar ist, dürfte es noch rund ein Jahr dauern, doch die Vorbereitungszeit solltest du nutzen:
Intern abstimmen: Kläre im Team, wie ihr Erfolg messen wollt. Wenn der Kanal zunächst stark auf Recherche ausgerichtet ist, wird der klassische Last-Click-ROAS die Leistung unterschätzen. Plant also auch assistierte Conversions und Incrementality-Tests ein.
Mobile Experience prüfen: Demand Capture funktioniert nur, wenn der Weg zum Kauf reibungslos ist. Überprüfe jetzt Ladezeiten, Checkout-Prozesse und die mobile Nutzbarkeit deiner Website.
Frühe Tests einplanen: Wer zu den ersten Advertisern gehört, sammelt wertvolle Learnings, auch wenn die Plattform noch nicht ausgereift ist. Plane konservative Testbudgets ein, sobald ChatGPT Ads breit verfügbar sind.
Fazit
ChatGPT-Werbung ist kein Hype, sondern eine reale Entwicklung mit echtem Potenzial. Der Kanal wird kein Selbstläufer sein, aber wer vorbereitet einsteigt, mit realistischen Zielen und einer klaren Strategie, kann sich frühzeitig positionieren.
Quelle: Searchengineland.com
Über die Autorin

Lisa-Marie Unger
Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.



