KI - Nischen-Medien schlagen grosse Medien
Für deine Sichtbarkeit in ChatGPT und Co. zählt nicht die grösste Reichweite, sondern die passendste. Eine Fractl-Studie zeigt: Kleine Nischen-Publisher haben 1,7-mal höhere Zielgruppen-Affinität als grosse Medien, trotz 130-mal weniger Traffic. Was das für deine PR- und GEO-Strategie heisst.
Was die Studie herausfand
Die Agentur Fractl hat mit Daten von SparkToro untersucht, welche Medien wirklich Einfluss auf die Zielgruppen haben, die Marken erreichen wollen. Das Ergebnis überrascht: Kleine, thematisch spezialisierte Publisher, die sogenannten Hidden Gems, erzielen eine 1,7-mal höhere Zielgruppen-Affinität als grosse Medien, obwohl sie 130-mal weniger Traffic haben.
Trägt man Affinität und Traffic gegeneinander auf, bilden sich zwei klar getrennte Gruppen. Die Nischen-Publisher sitzen oben links: hohe Affinität, wenig Traffic. Die grossen Medien liegen unten rechts: viel Traffic, geringe Affinität. Reichweite und Relevanz sind also häufiger gegenläufig, als die meisten PR-Strategien annehmen. Manche der am höchsten bewerteten Fachseiten haben nur 2'000 bis 10'000 Besuche im Monat, während bekannte Grossmedien trotz hunderttausender Besuche oft nur mittlere oder tiefe Affinitätswerte erreichen.
Konkret erreichten die stärksten Fachpublikationen in der Studie Affinitätswerte von über 85 bei nur wenigen tausend monatlichen Besuchen. Viele der grössten und bekanntesten Medien landeten dagegen im Bereich zwischen 50 und 65, einige sogar nur im tiefen zweistelligen Bereich, und das trotz enormer Reichweite. Solche Seiten würden auf einer nach Traffic oder Domain-Autorität sortierten Medienliste nie ganz oben auftauchen. Genau das ist der blinde Fleck: Traffic und Autorität sind unvollständige Näherungswerte für die Relevanz, auf die
KI-Systeme zunehmend angewiesen sind.
Warum sich Autorität verändert hat
Der Grund liegt darin, wie KI Autorität bewertet. Über Jahre bauten PR- und SEO-Teams ihre Medienlisten gleich auf: Sie priorisierten Domain-Autorität, Traffic und verweisende Domains. Das ergab Sinn, solange Backlinks das Hauptziel waren.
KI-gestützte Suche verändert nun, was Autorität überhaupt bedeutet. Wenn ChatGPT, Gemini, Perplexity oder Googles KI Informationen über deine Marke zusammentragen, prüfen sie nicht nur, ob deine Website gut optimiert ist. Sie schöpfen aus dem gesamten Netz von Quellen, die deine Marke wiederholt erwähnen und in einen Zusammenhang stellen. Fachleute sprechen von Entitäts-Autorität: dem kumulierten Signal, das entsteht, wenn deine Marke immer wieder mit glaubwürdigen Quellen in deiner Nische verknüpft wird. Eine Platzierung auf einer kleinen, hochrelevanten Fachpublikation kann deshalb mehr für diese Autorität tun als eine beiläufige Erwähnung auf einer viel grösseren Seite.
Nicht nur Publisher: YouTube, Reddit und Podcasts
Der Einfluss beschränkt sich nicht auf klassische Medien. In der Analyse tauchten YouTube, Reddit und Podcasts immer wieder als einflussreiche Anlaufstellen auf. Das ist logisch, denn KI-Entdeckung wird zunehmend vom breiten Geflecht aus Markenerwähnungen geprägt.
Damit erweitert sich, was als verdiente Medienpräsenz zählt. Ein Gründer-Interview auf einem spezialisierten YouTube-Kanal, eine datengestützte Diskussion in einem passenden Subreddit oder der Auftritt einer Fachperson in einem Branchen-Podcast können dieselben inhaltlichen Verknüpfungen stärken wie ein klassischer Artikel. Das Format unterscheidet sich, der strategische Wert ist derselbe: wiederholte Bestätigung durch Dritte rund um die Themen, für die deine Marke bekannt sein soll. Der häufige Fehler ist, diese Kanäle nur als nachträgliche Bewerbung zu behandeln. Sie gehören von Anfang an in die Medienstrategie.
Was das für dich als KMU bedeutet
Für kleinere Unternehmen ist das eine ermutigende Nachricht. Du brauchst keinen Platz in einem grossen Leitmedium, um in KI-Antworten aufzutauchen. Oft ist eine Erwähnung in einem einschlägigen Fachmagazin, einem regionalen Portal oder einem thematisch passenden Podcast wertvoller, weil sie genau die Menschen erreicht, die dich als Kunden interessieren.
Der Schlüssel ist, nicht bei der grössten Reichweite anzusetzen, sondern bei deiner Zielgruppe. Frag dich: Wo verbringt sie tatsächlich Zeit? Welche Fachseiten, Foren, Kanäle und Newsletter liest und hört sie? Genau dort lohnt sich der Aufwand, denn diese Quellen prägen mit, wie KI-Systeme deine Marke einordnen.
Für ein Schweizer KMU heisst das ganz praktisch: Ein Fachbeitrag in einem Branchenmagazin, ein Interview in einem regionalen Onlineportal, ein Gastartikel in einem einschlägigen Newsletter oder ein Auftritt in einem Nischen-Podcast können mehr bewirken als der teure Versuch, in ein grosses überregionales Medium zu kommen. Diese Präsenz ist oft leichter zu erreichen, günstiger und trifft genau die Menschen, die für dich zählen. Wichtig ist die Regelmässigkeit: Nicht eine einzelne Erwähnung entscheidet, sondern das wiederholte Auftauchen in einem stimmigen thematischen Umfeld.
So baust du eine GEO-taugliche Medienliste
Eine solche Liste ist nicht länger, sondern besser ausbalanciert. Beginne weiterhin mit autoritativen Leitmedien, denn sie zählen nach wie vor für Reichweite, Vertrauen und SEO-Wert. Ergänze sie um hochrelevante Nischen-Publisher, die zwar kleiner sind, aber genau deine Kunden und Entscheider bündeln. Nimm dazu Community-Plattformen wie YouTube-Kanäle, Podcasts, Reddit-Communities und Newsletter auf, die dieselben Verknüpfungen stärken wie redaktionelle Beiträge.
Bewerte jede Chance nach thematischer Relevanz statt nur nach Traffic. Die Frage lautet: Verknüpft diese Platzierung deine Marke mit den Themen, Anwendungsfällen und Problemen, die KI mit dir verbinden soll? Und miss schliesslich mehr als nur Links. Behalte hochrelevante Platzierungen, gemeinsame Nennungen mit deinen Themen sowie KI-Zitate und KI-Empfehlungen im Blick.
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Fazit
Die klügste Medienstrategie ist weder rein gross noch rein klein, sondern beides. Grosse Medien liefern Reichweite und Vertrauen, Nischen-Quellen liefern Relevanz. Wer eine Geschichte präzise in der richtigen Kategorie eines grossen Mediums platziert und gleichzeitig Erwähnungen von hochaffinen Fachquellen gewinnt, verstärkt seine Sichtbarkeit über SEO und GEO hinweg.
Am Ende gilt: KI-Sichtbarkeit entsteht durch Wiederholung. Die Marken, die in der KI-Suche gewinnen, sind nicht zwingend jene mit der am besten optimierten Website, sondern jene, die über die Quellen hinweg, denen ihre Zielgruppe und die KI-Systeme vertrauen, am konsequentesten bestätigt werden. Wenn du deine Sichtbarkeit dort aufbauen willst, wo deine Kundschaft wirklich unterwegs ist, unterstützen wir dich gern dabei.
Quelle: Searchengineland.com
Über die Autorin

Lisa-Marie Unger
Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.



