Lisa-Marie Unger • 26. August 2026

ChatGPT Ads - Automatisiertes Bidding & Targeting

ChatGPT Ads erhält automatisiertes Bidding, Plattform-Targeting und View-Through-Conversions. Gleichzeitig expandiert OpenAI mit der Werbeplattform nach Brasilien und Mexiko. Wir zeigen dir, was die neuen Funktionen für deine Kampagnen bedeuten und worauf du achten solltest.


OpenAI baut sein Werbeprodukt ChatGPT Ads spürbar aus. Innerhalb weniger Wochen kommen gleich vier neue Funktionen dazu: eine automatisierte Bidding-Strategie, granulares Plattform-Targeting, eine neue Attributionsmetrik für View-Through-Conversions sowie eine Integration mit dem Analytics-Tool WorkMagic. Parallel dazu expandiert die Plattform geografisch nach Brasilien und Mexiko. Für dich als Marketer heisst das: ChatGPT Ads wird technisch reifer und damit auch relevanter als zusätzlicher Kanal neben Google Ads und Microsoft Advertising.


Automatisiertes Bidding: «Maximize results»

Das Herzstück des Updates ist eine neue Gebotsstrategie namens «Maximize results». Bisher musstest du bei ChatGPT Ads Gebote manuell festlegen und laufend anpassen. Mit der neuen Option übernimmt das System diese Aufgabe für dich: Du wählst lediglich das gewünschte Kampagnenziel aus, und ChatGPT Ads passt die Gebote automatisch so an, dass mit dem verfügbaren Budget möglichst viele Ergebnisse erzielt werden.


Das ist ein Muster, das du aus Google Ads (Ziel-CPA, Conversions maximieren) und aus Microsoft Advertising bestens kennst. Die Entscheidungshoheit über einzelne Gebote wandert vom Advertiser zum Algorithmus. Für kleinere Schweizer KMU-Konten kann das durchaus sinnvoll sein, weil oft schlicht die Zeit fehlt, Gebote manuell zu optimieren. Wichtig ist aber: Automatisiertes Bidding braucht ausreichend Datenvolumen, um verlässlich zu funktionieren. Bei sehr kleinen Budgets oder wenigen Conversions pro Monat lohnt es sich, die neue Strategie zunächst parallel zur bestehenden manuellen Steuerung zu testen, bevor du komplett umstellst.

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Plattform-Targeting: iOS, Android oder Web

Zweite grosse Neuerung ist die Möglichkeit, Kampagnen gezielt auf bestimmte Plattformen auszurichten. Über die neue Einstellung «Eligible platforms» kannst du beim Erstellen einer Kampagne festlegen, ob deine Anzeigen auf der iOS-App, der Android-App, im Web oder auf einer Kombination davon ausgespielt werden sollen.


Das ist besonders für Werbetreibende interessant, die bereits Unterschiede im Nutzerverhalten zwischen mobilen Apps und der Web-Version feststellen – etwa bei der Conversion-Rate, beim durchschnittlichen Bestellwert oder beim generellen Nutzungsverhalten. Wenn deine mobile App-Nutzer beispielsweise deutlich häufiger konvertieren als Web-Nutzer, kannst du künftig gezielt dort Budget einsetzen, wo sich das für dich am meisten lohnt, statt das Budget über alle Plattformen zu streuen.


View-Through-Conversions: mehr Sichtbarkeit, aber auch mehr Vorsicht

Der ChatGPT Ads Manager zeigt neu auch sogenannte «One-day view-through conversions» an – und zwar auf Kampagnen-, Anzeigengruppen- und Einzelanzeigenebene. Eine View-Through-Conversion wird gezählt, wenn jemand innerhalb eines Tages nach dem Betrachten einer Anzeige konvertiert, ohne dass ein Klick auf die Anzeige dieser Conversion zugeordnet werden kann.


Das bedeutet konkret: Du wirst in deinen Reportings künftig unter Umständen mehr Conversions sehen als bisher – nicht, weil deine Kampagnen plötzlich besser performen, sondern weil eine zusätzliche Attributionsebene sichtbar wird. Genau hier ist Vorsicht geboten. Wenn du Erfolge deiner Kampagnen bewertest oder gar Reportings an Kundschaft weitergibst, solltest du klar zwischen klickbasierten und view-basierten Conversions unterscheiden. Sonst entsteht schnell der Eindruck, eine Kampagne performe deutlich besser, als sie es in Wirklichkeit tut. Diese Diskussion kennst du wahrscheinlich bereits aus der Meta-Ads-Welt, wo View-Through-Attribution seit Jahren kontrovers diskutiert wird.


WorkMagic-Integration und Conversions API

Advertiser können ChatGPT Ads künftig mit dem Analytics-Tool WorkMagic verbinden, um die Performance von ChatGPT-Kampagnen zusammen mit anderen Werbekanälen an einem Ort zu betrachten. Die Integration erlaubt zudem, Conversion-Signale über die Conversions API zurück an OpenAI zu senden.


Für dich bedeutet das einen weiteren Baustein im Server-seitigen Tracking-Ökosystem, das du wahrscheinlich bereits von Google (Enhanced Conversions), Meta (Conversions API) oder Microsoft kennst. Gerade in einer Zeit, in der Cookie-Beschränkungen und Browser-Restriktionen die klassische, klick-basierte Messung erschweren, sind serverseitige Signale ein wichtiger Hebel für verlässlichere Attribution.


Expansion nach Lateinamerika

Neben den technischen Neuerungen expandiert ChatGPT Ads geografisch: Die Plattform wird künftig auch in Brasilien und Mexiko verfügbar sein. Für internationale oder auf Lateinamerika ausgerichtete Kunden eröffnet das, neue Möglichkeiten, ChatGPT als zusätzlichen Werbekanal in die Mediaplanung aufzunehmen. Für die meisten Schweizer KMU dürfte diese Expansion zunächst weniger relevant sein – sie zeigt aber, wie schnell OpenAI die Werbeplattform ausbaut und in welchem Tempo neue Märkte und Funktionen hinzukommen.


Was das für deine Strategie bedeutet

Automatisiertes Bidding, granulares Plattform-Targeting, sichtbare View-Through-Attribution und tiefere Analytics-Integration machen ChatGPT Ads zu einer zunehmend ausgereiften Werbeplattform. Die Fragen, die sich stellen, sind allerdings dieselben, die du von anderen automatisierten Systemen kennst: Wie gut performt «Maximize results» im Vergleich zu einer kontrollierteren, manuellen Steuerung? Und wie viel der ausgewiesenen Performance-Verbesserung geht tatsächlich auf neu sichtbare View-Through-Conversions zurück, statt auf echtes inkrementelles Wachstum?


Unsere Empfehlung: Nutze die neuen Funktionen testweise, aber behalte deine bisherigen KPIs im Blick, bevor du automatisierte Strategien flächendeckend ausrollst. Wer ChatGPT Ads bereits im Media-Mix hat, sollte die Plattform-Targeting-Option prüfen, um Budget gezielter auf die leistungsstärkeren Kanäle zu lenken. Und wer noch nicht mit ChatGPT Ads arbeitet, sollte angesichts der wachsenden Funktionsvielfalt zumindest einen Testlauf in Erwägung ziehen, gerade weil sich AI-Suchumgebungen als Werbekanal in rasantem Tempo weiterentwickeln.


Praxistipps für Schweizer KMU

Bevor du «Maximize results» flächendeckend aktivierst, lohnt sich ein Blick auf dein bisheriges Conversion-Volumen. Als Faustregel gilt bei automatisierten Bidding-Strategien: Je weniger Conversions pro Monat, desto länger braucht der Algorithmus, um verlässliche Muster zu erkennen, und desto grösser ist das Risiko unnötig hoher Ausgaben in der Lernphase. Starte deshalb idealerweise mit einem klar begrenzten Testbudget und einem definierten Beobachtungszeitraum von mindestens zwei bis drei Wochen, bevor du eine Entscheidung triffst.


Beim Plattform-Targeting empfiehlt es sich, zunächst die eigenen Analytics-Daten zu konsultieren, statt aus dem Bauch heraus zu entscheiden. Prüfe, ob deine bestehenden Kanäle – etwa Google Ads oder Meta – bereits Unterschiede zwischen App- und Web-Traffic zeigen. Diese Erkenntnisse lassen sich oft direkt auf ChatGPT Ads übertragen und helfen dir, von Beginn an sinnvoll zu segmentieren, statt erst im laufenden Betrieb nachzujustieren.


Fazit

Mit automatisiertem Bidding, Plattform-Targeting, View-Through-Conversions und einer WorkMagic-Integration wird ChatGPT Ads spürbar erwachsener – und rückt näher an etablierte Plattformen wie Google Ads oder Microsoft Advertising heran. Gleichzeitig bringt jede neue Automatisierungsebene auch neue Fragen zur Attribution mit sich. Wer die neuen Funktionen mit einer klaren Teststrategie und einem wachen Blick auf die Kennzahlen einführt, kann von den Neuerungen profitieren, ohne sich von auf den ersten Blick besseren Zahlen blenden zu lassen.


Quelle: Searchengineland.com

Über die Autorin

Eine Frau mit lockigem Haar trägt ein weißes Hemd und lächelt.

Lisa-Marie Unger

Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.


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