Lisa-Marie Unger • 17. August 2026

YouTube – Tests mit Bildanzeigen im Querformat

YouTube blendet offenbar statische Bildanzeigen ein, während ein Video im Querformat auf dem Handy weiterläuft. Das Video wird dabei nicht gestoppt. Für Werbetreibende könnte so ein neues Placement entstehen, das ganz ohne aufwendiges Videomaterial auskommt. Wir ordnen ein, was das bedeutet.


Werbung, die das Video nicht unterbricht

Bisher kanntest du auf YouTube im Wesentlichen zwei Werbemomente: vor dem Video und mitten drin. Beide haben gemeinsam, dass der Inhalt anhält. Genau das ändert sich beim neuen Test.


Das Experiment legt eine gesponserte Bildanzeige über einen Teil des Bildschirms, während das Video im Querformat weiterläuft. Anders als bei klassischen Pre-Roll- oder Mid-Roll-Anzeigen wird der Inhalt weder pausiert noch ersetzt. Du siehst also weiter, was du sehen wolltest, und daneben liegt eine Werbefläche.


Ein Detail aus den ersten Beobachtungen verdient Beachtung: Die Bildanzeigen erscheinen offenbar rund alle drei Minuten während der Wiedergabe. Das ist deutlich häufiger als die üblichen Videowerbeblöcke auf YouTube.


Entdeckt wurde die Neuerung von Hana Kobzova, der Gründerin von PPC News Feed. Google hat bislang nicht bestätigt, ob es sich um einen begrenzten Test handelt oder ob ein breiterer Rollout geplant ist. Genau diese Unklarheit solltest du im Hinterkopf behalten, bevor du Budgets umschichtest.

Ein Laptop und ein Smartphone, auf denen ein YouTube-Video zu sehen ist, umgeben von roten Wiedergabesymbolen.

Warum das Format für Werbetreibende interessant ist

Der offensichtlichste Vorteil liegt in der Produktion. Für dieses Format brauchst du kein Videomaterial. Ein starkes Bild mit klarer Botschaft reicht, um auf einer Plattform präsent zu sein, die viele Schweizer KMU bisher gemieden haben, weil ihnen schlicht die Videos fehlten.


Das ist eine erhebliche Hürde, die wegfällt. Ein professionell produzierter Werbespot kostet in der Schweiz schnell mehrere Tausend Franken, und viele kleinere Unternehmen scheuen diese Investition, solange sie den Kanal nicht getestet haben. Ein Henne-Ei-Problem, das ein bildbasiertes Format entschärfen würde.


Dazu kommt ein struktureller Punkt: Mehr Werbeplätze bedeuten mehr Inventar, und mehr Inventar bedeutet in der Regel entspanntere Preise. Wenn YouTube diese Fläche breit ausrollt, entsteht zusätzlicher Raum für Werbetreibende, die bisher gegen grosse Budgets nicht ankamen.


Interessant ist ausserdem der Kontext der Nutzung. Wer sein Handy quer hält, schaut in der Regel längere Inhalte und nicht einen Shorts-Clip im Vorbeigehen.

Diese Situation unterscheidet sich deutlich vom hektischen Scrollen: Die Aufmerksamkeitsspanne ist länger, die Bereitschaft, sich auf etwas einzulassen, höher.

Für erklärungsbedürftige Produkte und für Dienstleistungen, bei denen Vertrauen zählt, ist das ein günstigeres Umfeld als die meisten Feed-Platzierungen.


Die andere Seite: Was das für die Nutzererfahrung heisst

Hier lohnt sich Ehrlichkeit statt Marketingjubel. Eine Anzeige alle drei Minuten ist eine hohe Frequenz. Auch wenn der Inhalt weiterläuft, verändert das die Wahrnehmung deutlich.


Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar: Weil das Video nicht stoppt, empfindet man die Unterbrechung als geringer. Doch Aufmerksamkeit funktioniert nicht so sauber getrennt. Ein Overlay im Sichtfeld zieht Blicke ab, gerade bei längeren Inhalten, die man konzentriert schaut. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich zeigen, wenn echte Nutzungsdaten vorliegen.


Für dich als Werbetreibender ist das keine Nebensache. Wenn ein Format als störend empfunden wird, färbt das auf die Marke ab, die dort erscheint.

Werbewirkung entsteht nicht nur aus Sichtbarkeit, sondern auch aus dem Kontext, in dem sie stattfindet. Diesen Punkt solltest du bei einem Test mitmessen, etwa über Brand-Lift-Befragungen statt nur über Klicks. Bei lokal verankerten Marken, die von Sympathie leben, wiegt dieser Aspekt schwerer als bei einem reinen Preisangebot.


Das grössere Bild

Der Test passt in ein Muster. YouTube experimentiert seit längerem mit neuen Werbeplatzierungen, um die Monetarisierung über Geräte und Formate hinweg auszuweiten. Statt sich allein auf klassische Videowerbung zu verlassen, testet die Plattform zunehmend Formen, die Werbung nahtloser in das Seherlebnis einfügen.


Diese Richtung ist bemerkenswert, weil sie das ökonomische Grundproblem von Videoplattformen adressiert. Klassische Videowerbung skaliert schlecht: Mehr Werbeblöcke bedeuten mehr Frust und mehr Abwanderung zu werbefreien Abos. Ein Format, das den Inhalt nicht anhält, verspricht mehr Werbeplätze, ohne dieselbe Reibung zu erzeugen. Ob dieses Versprechen hält, ist die eigentliche Frage.


Was du jetzt tun solltest, und was nicht

Zuerst das, was du nicht tun solltest: Plane nichts um. Es handelt sich um einen unbestätigten Test, dessen Zukunft offen ist. In der Schweiz ist bisher nichts davon breit verfügbar, und Budgets auf Basis eines Gerüchts zu verschieben, ist keine Strategie.


Sinnvoll ist dagegen Vorbereitung an einer Stelle, die ohnehin lohnt: deine Bildwelt. Wenn statische Assets auf YouTube tatsächlich an Bedeutung gewinnen, brauchst du Bildmaterial, das im Kleinformat und neben bewegtem Inhalt funktioniert. Das bedeutet: klare Bildaussage ohne viel Text, hoher Kontrast, erkennbares Logo, eine einzige Botschaft statt drei.


Der Massstab ist dabei streng. Ein Bild, das neben einem laufenden Video um Aufmerksamkeit kämpft, hat vielleicht eine Sekunde, um verstanden zu werden. Feine Details, dünne Schriften und komplexe Produktabbildungen fallen dabei durch. Was funktioniert, sind kräftige Farbflächen, ein einzelnes Motiv im Zentrum und ein Firmenname, den man auch aus dem Augenwinkel erkennt.


Solches Material zahlt sich ohnehin aus. Du brauchst es für Demand Gen, für Performance Max, für Display und für Social. Ein sauber gepflegtes Asset-Set ist die Grundlage für praktisch jede automatisierte Kampagnenform bei Google, und genau daran hapert es in vielen KMU-Konten.


Zweitens lohnt ein Blick auf deine bestehenden YouTube-Kampagnen, falls du welche hast. Prüfe, welche Platzierungen aktuell Budget verbrauchen und ob die Ergebnisse zur Erwartung passen. Neue Formate werden bei automatisierten Kampagnentypen oft ohne Rückfrage aktiviert, und wer die Platzierungsberichte nicht liest, merkt Veränderungen erst an der Performance.


Fazit

Der Test ist noch keine Nachricht, die deinen Mediaplan verändert. Er ist aber ein guter Indikator dafür, wohin sich Videowerbung entwickelt: weg von der reinen Unterbrechung, hin zu Formaten, die parallel zum Inhalt bestehen. Für kleinere Werbetreibende ohne Videoproduktion ist das grundsätzlich eine gute Nachricht, weil die Einstiegshürde in einen bisher teuren Kanal sinkt.


Wenn du wissen willst, ob YouTube für dein Unternehmen überhaupt ein sinnvoller Kanal ist, schauen wir uns gerne gemeinsam deine Zielgruppe, deine bestehenden Assets und dein Budget an. Manchmal lautet die ehrliche Antwort nein, und auch das ist ein brauchbares Ergebnis.


Quelle: Searchengineland.com

Über die Autorin

Eine Frau mit lockigem Haar trägt ein weißes Hemd und lächelt.

Lisa-Marie Unger

Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.


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