PPC-Probleme – Bidding vs. Creatives
Wenn PPC-Kampagnen nicht die gewünschten Ergebnisse liefern, ist der erste Reflex meistens derselbe: an den Geboten schrauben. Target CPA anpassen, Budget umverteilen, Gebotsstrategien wechseln. Doch 2026 ist diese Denkweise zunehmend überholt.
Automatisierung hat das Bidding nivelliert
Google Smart Bidding und Metas Delivery-System analysieren in Echtzeit Millionen von Signalen, Gerät, Standort, Nutzerverhalten, Kaufabsicht und optimieren Gebote auf eine Art und Weise, die kein Mensch manuell replizieren könnte. Das ist einerseits ein riesiger Vorteil. Andererseits bedeutet es: Fast alle Werbetreibenden nutzen im Kern dieselben Optimierungsmaschinen.
Wenn deine Mitbewerber auf die gleichen Algorithmen setzen wie du, ist das Bidding kein Wettbewerbsvorteil mehr, es ist Standard. Was dich noch unterscheiden kann, ist das, womit du diese Algorithmen fütterst. Und genau da kommen die Creatives ins Spiel.
Metas Andromeda: Creative als Zugangsvoraussetzung
Meta hat mit seinem neuen Andromeda-System die Spielregeln nochmals verschärft. Andromeda ist Metas KI-gestütztes Ads-Retrieval-System, das Anzeigen bereits früh im Prozess filtert und rankt und zwar stark auf Basis von Creative-Signalen. Das Ergebnis: Anzeigen mit schwacher Engagement-Rate gelangen gar nicht erst sinnvoll in die Auktion. Egal wie hoch dein Budget ist, egal wie gut dein Targeting – wenn das Creative nicht zieht, limitiert die Plattform schlicht deine Reichweite.
Studien im Meta-Ökosystem zeigen, dass Kampagnen mit einer höheren Anzahl an Creative-Varianten die Kosten pro Akquisition deutlich senken konnten, trotz niedrigerer Impressionsmengen. Der Grund ist einfach: Mehr Varianten bedeuten mehr Signale für den Algorithmus, besseres Matching und damit bessere Ergebnisse.
Auch Google geht denselben Weg
Was Meta öffentlichkeitswirksam kommuniziert, vollzieht Google still im Hintergrund. Performance Max, Demand Gen, Responsive Search Ads und YouTube Shorts sind alle darauf ausgelegt, möglichst viele hochwertige Assets zu verarbeiten. Google selbst hält fest, dass Asset-Qualität und -Vielfalt die Kampagnenperformance direkt beeinflussen. Konten mit wenigen Creatives schneiden schlechter ab, selbst wenn Budgets und Gebotsstrategien identisch sind.
Mit Tools wie Asset Studio und Performance Max Experiments schafft Google zudem die Infrastruktur, um Creatives gezielt zu testen. Die Botschaft dahinter ist klar: Der Algorithmus kann nur optimieren, was er bekommt.
Das Plateau-Problem kennen viele
Viele Werbekonten folgen einem ähnlichen Muster: Nach strukturellen Anpassungen oder Bidding-Optimierungen steigt die Performance und flacht dann ab. Mehr Budget zu investieren bringt zunehmend weniger. Der Instinkt sagt: Gebote überarbeiten. Die Realität sagt: Creative Fatigue.
Wenn dieselben Motive, Hooks und Botschaften zu lange laufen, sinkt das Engagement. Die Plattformen registrieren das, stufen die Anzeigen herunter und die Auslieferung wird teurer oder gar verhindert. Das ist kein technisches Problem. Es ist ein Produktionsproblem.
Creative ist kein Einmalprodukt
Ein häufiger Fehler ist, Creative-Tests als einmalige Projekte zu behandeln. Neue Ads launchen, vier Wochen warten, Gewinner küren und dann wieder Monate lang nichts ändern. Das ist zu langsam. Gut performende Konten funktionieren wie ein Produktentwicklungszyklus: Immer läuft etwas Neues in der Lernphase, immer wird etwas getestet, immer wird etwas ausgetauscht.
Dabei geht es nicht darum, alles auf einmal zu verändern. Effektives Creative-Testing verändert jeweils eine Variable, den Hook, das visuelle Stilmittel, die Angebotsformulierung oder den Call-to-Action. Ziel ist nicht die eine perfekte Anzeige, sondern eine wachsende Bibliothek an Botschaften, die der Algorithmus situativ einsetzen kann.
Was das für dich bedeutet
Wenn deine PPC-Performance stagniert, lohnt sich die ehrliche Frage: Wann wurden die Creatives zuletzt grundlegend erneuert? Wie viele verschiedene Varianten laufen aktuell? Gibt es einen strukturierten Testprozess oder läuft seit Monaten dasselbe?
Bidding, Tracking und Kampagnenstruktur sind weiterhin wichtig. Aber sie sind heute das Minimum. Der echte Wettbewerbsvorteil liegt in der Qualität, Menge und Geschwindigkeit deiner Creative-Produktion.
Quelle: Searchengineland.com
Über die Autorin

Lisa-Marie Unger
Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.



