OpenAI testet Werbung in ChatGPT - Was das bedeutet
Eine Ära geht zu Ende: ChatGPT wird werbefinanziert. OpenAI startet in den USA Tests mit Anzeigen. Ein Schritt, der die digitale Werbelandschaft fundamental verändern könnte.
Der strategische Kurswechsel
OpenAI hat offiziell angekündigt, Werbung in ChatGPT zu testen. Die Anzeigen werden zunächst im kostenlosen Free Tier und im neuen Mid-Tier-Abo "ChatGPT Go" (8 Dollar pro Monat) ausgespielt. Die Premium-Abos ChatGPT Plus, Pro, Business und Enterprise bleiben komplett werbefrei.
Dieser Schritt kommt nicht aus dem Nichts: Mit Infrastrukturkosten von über 1,4 Billionen Dollar und dem Anspruch, KI für alle zugänglich zu machen, braucht OpenAI zusätzliche Einnahmequellen. CEO Sam Altman formulierte es klar: "Es ist offensichtlich, dass viele Menschen viel KI nutzen wollen und nicht dafür zahlen möchten. Wir hoffen, dass dieses Geschäftsmodell funktioniert."
Wie die Werbung funktioniert
Die Anzeigen erscheinen am Ende von ChatGPT-Antworten und sind deutlich als "sponsored" gekennzeichnet. OpenAI verspricht klare Grenzen: Die Antworten werden nicht von Werbung beeinflusst, Nutzerdaten werden niemals an Werbetreibende verkauft, und das Unternehmen zeigt keine Werbung bei sensiblen Themen wie Politik, Gesundheit oder mentaler Gesundheit.
Nutzer unter 18 Jahren sehen grundsätzlich keine Werbung. Und wer keine personalisierten Anzeigen wünscht, kann die Ad-Personalisierung in den Einstellungen deaktivieren. OpenAI nutzt dabei Konversationsdaten, um relevante Werbung auszuspielen. Wenn du beispielsweise eine Reise planst, könnten dir Hotels oder Attraktionen vorgeschlagen werden.
Die Ironie dahinter
Besonders pikant: Sam Altman äusserte noch 2024, er "hasse" Werbung und nannte die Kombination von Ads und KI "einzigartig beunruhigend". Er sagte zwar nicht, dass OpenAI niemals Werbung einführen würde, betonte aber, dass es "viel Sorgfalt" erfordere, dies richtig zu machen.
Jetzt, nur ein Jahr später, ist die Realität da. Die massiven Kosten für KI-Infrastruktur und der Druck, das Geschäftsmodell zu skalieren, haben offenbar den Ausschlag gegeben. Mit 20 Milliarden Dollar Jahresumsatz ist OpenAI bereits profitabel. Werbung könnte diesen Betrag deutlich steigern.
Was das für Marketer bedeutet
Die Einführung von ChatGPT-Werbung öffnet ein völlig neues Werbeuniversum. Im Gegensatz zu klassischen Suchanzeigen bei Google, wo du auf Keywords bietest, ermöglicht ChatGPT kontextbasierte Werbung basierend auf natürlicher Konversation.
Die Personalisierungsmöglichkeiten sind enorm: ChatGPT kennt durch die Gespräche oft mehr über Nutzerintentionen als traditionelle Suchmaschinen. Ein Nutzer, der über mehrere Prompts hinweg ein Projekt plant, kann mit hochrelevanten Anzeigen angesprochen werden, genau im richtigen Moment.
eMarketer prognostiziert, dass KI-gestützte Such-Werbung in den USA von 1,1 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf 26 Milliarden Dollar bis 2029 explodieren wird. ChatGPT mit seinen 700 Millionen Nutzern wird dabei eine zentrale Rolle spielen.
Risiken und Kritik
Die Ankündigung stösst nicht überall auf Begeisterung. Nutzer befürchten, dass die Vertrauensbeziehung zu ChatGPT leiden könnte, wenn Werbung in persönliche Gespräche eindringt. Frühere Tests mit App-Empfehlungen (etwa für Peloton) wurden bereits als störend und irrelevant kritisiert.
Zudem gibt es Berichte, dass OpenAI intern diskutiert hat, gesponserten Content "bevorzugt zu behandeln", also Werbetreibenden Vorrang in Antworten einzuräumen. Das würde die Neutralität der KI fundamental infrage stellen.
Der Blick nach vorn
OpenAI betont, dass die Tests behutsam ablaufen werden: "Wir werden aus Feedback lernen und verfeinern, wie Werbung erscheint. Aber unser Engagement, Nutzer an erste Stelle zu setzen und Vertrauen zu bewahren, wird sich nicht ändern."
Für Werbetreibende heisst es jetzt: beobachten, lernen, vorbereiten. Die nächsten Monate werden zeigen, wie Nutzer auf Werbung in ChatGPT reagieren und ob sich hier tatsächlich ein neuer, milliardenschwerer Werbekanal etabliert.
Fazit
Mit ChatGPT-Werbung betritt OpenAI Neuland. Für Marketer könnte sich hier eine der grössten Chancen der letzten Jahre eröffnen, oder ein Kanal, der am Widerstand der Nutzer scheitert.
Quelle: Searchengineland.com
Über die Autorin

Lisa-Marie Unger
Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.



