Lisa-Marie Unger • 29. Oktober 2026

Microsoft Ads - Lohnt sich der Kanal für dich?

Microsoft Advertising läuft in vielen Konten unter «machen wir später». Dabei ist der Einstieg vergleichsweise günstig, der Wettbewerb geringer und die Zielgruppe teilweise kaufkräftiger. Hier erfährst du, für wen sich der Kanal rechnet und für wen eher nicht.


Wo deine Anzeigen erscheinen

Microsoft Advertising bespielt mehr als nur Bing. Das Netzwerk umfasst die Bing-Suche, Yahoo, DuckDuckGo, AOL sowie Partnerseiten und die Suchfunktionen innerhalb von Windows und Microsoft-Produkten.


Der Marktanteil in der Suche liegt deutlich unter dem von Google, schwankt aber stark nach Land und Gerät. Auf Desktop-Rechnern und in Unternehmensumgebungen ist er spürbar höher als im Gesamtdurchschnitt, schlicht weil dort Windows und der vorinstallierte Browser Standard sind.


Genau daraus ergibt sich das erste Kriterium: Wenn deine Zielgruppe am Arbeitsplatz recherchiert, ist deine tatsächliche Reichweite grösser, als es der Gesamtmarktanteil vermuten lässt.

Person analysiert Online-Werbung und Kampagnenergebnisse am Laptop.

Für wen sich der Kanal lohnt

Vier Konstellationen sprechen deutlich für einen Test.


B2B und Geschäftskunden. Recherche findet häufig auf Arbeitsrechnern statt, oft in Umgebungen, in denen die Suche voreingestellt ist.


Ältere und kaufkräftigere Zielgruppen. Die Nutzerstruktur unterscheidet sich messbar von Google – im Schnitt etwas älter und mit höherem Haushaltseinkommen.


Wettbewerbsintensive Märkte. Wenn deine Klickpreise bei Google an der Wirtschaftlichkeitsgrenze liegen, ist der geringere Wettbewerb hier ein echtes Argument.


Konten mit Budgetreserve. Wer sein Google-Budget nicht ausschöpfen kann, weil die Nachfrage begrenzt ist, findet hier zusätzliches Volumen ohne Preiskampf.


Weniger geeignet ist der Kanal für sehr junge Zielgruppen, für Angebote mit stark mobilem Nutzungsschwerpunkt und für Nischen, in denen das Suchvolumen ohnehin gering ist – dort bleibt nach der Aufteilung möglicherweise zu wenig übrig, um überhaupt zu lernen.


Realistische Erwartungen an das Volumen

Die häufigste Enttäuschung entsteht durch falsche Grössenvorstellungen. Rechne nicht mit den Zahlen aus deinem Google-Konto.


Als grobe Orientierung berichten viele Werbetreibende von einem Volumen im Bereich von fünf bis fünfzehn Prozent dessen, was Google liefert – je nach Land, Branche und Gerätemix. Die Klickpreise liegen dafür häufig spürbar darunter.


Was das bedeutet: Der Kanal ist selten ein Wachstumsmotor, aber oft ein wirtschaftlich attraktiver Zusatz. Wer ihn an absoluten Umsatzzahlen misst, wird ihn abschalten. Wer ihn an Kosten pro Abschluss misst, behält ihn meist.


Was anders funktioniert als bei Google

Auch wenn die Oberfläche vertraut wirkt, gibt es Unterschiede, die du kennen solltest.


Automatisierung ist weniger dominant. Manuelle Steuerung hat hier mehr Gewicht, und die Gebotsstrategien brauchen weniger Daten, um brauchbare Ergebnisse zu liefern. Das ist bei kleinem Volumen ein Vorteil.


Zielgruppenoptionen sind teilweise breiter. Über die Anbindung an berufsbezogene Daten lassen sich Ausrichtungen umsetzen, die bei Google so nicht möglich sind.


Weniger Wettbewerb bedeutet niedrigere Einstiegshürden. Positionen, die bei Google unerschwinglich sind, sind hier oft erreichbar.


Die Datenlage ist dünner. Kennzahlen schwanken bei kleinem Volumen stärker, und Auswertungen brauchen längere Zeiträume.


Der pragmatische Einstieg

Du musst nicht bei null anfangen. Über die Importfunktion lässt sich ein bestehendes Google-Ads-Konto übernehmen – Kampagnen, Anzeigengruppen, Keywords und Anzeigen inklusive.


Behandle den Import aber als Startpunkt, nicht als Endzustand. Nach dem Übertragen gehören mindestens drei Dinge geprüft: die Budgets, die im kleineren Netzwerk anders wirken; die Keyword-Auswahl, die bei geringerem Volumen breiter ausfallen darf; und die Gebotsstrategien, die zu Beginn mangels Daten oft besser manuell oder klickorientiert laufen.


Plane für den Test mindestens drei Monate ein. Bei niedrigem Volumen sind kürzere Zeiträume schlicht nicht aussagekräftig.


Wie du den Erfolg bewertest

Vergleiche nicht die absoluten Zahlen, sondern die Effizienz. Die relevanten Fragen lauten: Wie hoch sind Kosten pro Conversion und ROAS im Vergleich zu Google? Und liegt der zusätzliche Umsatz über den zusätzlichen Kosten?


Achte dabei auf einen Trugschluss: Ein kleiner Kanal mit hervorragenden Kennzahlen bedeutet nicht automatisch, dass du dort mehr investieren solltest. Häufig sind die guten Werte eine Folge davon, dass nur die naheliegendsten Anfragen bedient werden. Beim Ausbau verschlechtern sich die Zahlen – das ist normal und kein Fehler.


Miss ausserdem den Aufwand mit. Ein Kanal, der fünf Prozent deines Umsatzes bringt und zwanzig Prozent deiner Arbeitszeit kostet, ist rechnerisch problematisch.


Der laufende Betrieb

Nach dem Start braucht der Kanal weniger Pflege als Google, aber nicht keine.


Sinnvoll ist eine wiederkehrende Routine mit drei Punkten: Suchbegriffe prüfen und Ausschlüsse ergänzen, weil das Matching hier teils breiter greift; die Synchronisierung mit Google kontrollieren, damit Änderungen nicht nur in einem Konto landen; und Budgets nachjustieren, wenn Kampagnen ihr Limit erreichen.


Bei automatischer Synchronisierung solltest du festlegen, welche Elemente überschrieben werden dürfen. Sonst verlierst du bei jedem Abgleich die kanalspezifischen Anpassungen, die du mühsam vorgenommen hast.


Typische Stolpersteine

Zu früh bewerten. Bei geringem Volumen liefern vier Wochen keine belastbaren Zahlen. Ein Quartal ist das Minimum.


Automatisierte Gebote zu früh aktivieren. Ohne Conversion-Historie drosseln sie die Ausspielung, und das Konto kommt nie in Fahrt.


Denselben Pflegeaufwand einplanen wie bei Google. Der Kanal braucht Aufmerksamkeit, aber nicht dieselbe Frequenz. Wer wöchentlich dieselbe Routine fährt, arbeitet unwirtschaftlich.


Die Besonderheiten ignorieren. Wer nur importiert und nie die kanalspezifischen Zielgruppenoptionen nutzt, betreibt ein schwächeres Google-Konto statt eines eigenständigen Kanals.


Ressourcen realistisch planen

Kalkuliere den Kanal von Anfang an mit einem festen, kleinen Zeitbudget. In den meisten Konten reichen zwei bis vier Stunden im Monat für Suchbegriffsprüfung, Budgetkontrolle und Anpassungen.


Wichtiger als die Menge ist die Regelmässigkeit. Ein Konto, das drei Monate unbeaufsichtigt läuft, sammelt Streuverluste an, die den gesamten Effizienzvorteil auffressen.


Wenn du diese Zeit nicht aufbringen kannst, ist es ehrlicher, den Kanal gar nicht zu starten – ein schlecht gepflegtes Zweitkonto kostet Geld und liefert obendrein Daten, die zu falschen Schlüssen führen.


Fazit

Microsoft Advertising ist kein Ersatz für Google Ads, sondern eine wirtschaftlich oft attraktive Ergänzung – besonders im B2B, bei kaufkräftigen Zielgruppen und in teuren Märkten.


Nutze den Import für einen schnellen Start, pass danach Budgets, Keywords und Gebotsstrategien an die kleinere Datenlage an und gib dem Test mindestens ein Quartal. Bewerte ihn an Effizienz statt an Volumen und rechne den Pflegeaufwand ehrlich mit ein.


Quelle: Searchengineland.com

Über die Autorin

Eine Frau mit lockigem Haar trägt ein weißes Hemd und lächelt.

Lisa-Marie Unger

Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.


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