Lisa-Marie Unger • 16. Oktober 2026

Content-Audit - Löschen, umleiten, zusammenlegen

Die meisten Websites haben kein Content-Problem, sondern ein Mengenproblem. Über Jahre sammeln sich Seiten an, die niemand mehr liest und die niemand verantwortet. Ein Audit bringt Ordnung und führt oft zu mehr Sichtbarkeit, obwohl du weniger veröffentlichst statt mehr.


Warum weniger oft mehr bringt

Jede Seite, die du online hast, beansprucht Ressourcen: beim Crawling, in der internen Verlinkung, in der Pflege und in der Aufmerksamkeit deiner Leserschaft.



Schwache Seiten schaden doppelt: Sie ranken selbst nicht und konkurrieren mit deinen guten Seiten um dieselben Anfragen. Vier halbfertige Artikel zum selben Thema verteilen die Relevanz auf vier statt auf einen.


Ein Audit ist deshalb kein Aufräumritual, sondern eine Investition in Fokus. Nach einer sauberen Bereinigung ist häufig zu beobachten, dass die verbliebenen Seiten stabiler ranken – ohne dass an ihnen etwas geändert wurde.

Ein Team arbeitet gemeinsam an einem grossen Laptop-Bildschirm mit Benachrichtigungen und Symbolen, auf dem Online-Arbeit und Kommunikation zu sehen sind.

Die Datenbasis zusammenstellen

Bevor du bewertest, brauchst du eine vollständige Liste aller URLs mit den passenden Kennzahlen. Vier Quellen reichen aus.


Ein Crawl liefert alle Seiten samt Titeln, Statuscodes und interner Verlinkung. Die Search Console liefert Impressionen, Klicks und Positionen. Analytics liefert Sitzungen und Conversions. Die Sitemap zeigt, was du im Index haben willst.


Führ diese Daten in einer einzigen Tabelle zusammen, mit einer Zeile pro URL. Diese Tabelle ist das eigentliche Arbeitsdokument – alles Weitere sind Entscheidungen, die du darin festhältst.


Nimm mindestens zwölf Monate. Kürzere Fenster verzerren durch Saisonalität – ein Artikel, der nur im Dezember läuft, sieht im Sommer wie eine Karteileiche aus.


Die vier möglichen Entscheidungen

Für jede Seite gibt es genau vier Optionen. Mehr braucht es nicht.


Behalten. Die Seite erfüllt ihren Zweck. Nichts tun.


Verbessern. Es gibt erkennbares Potenzial – gute Impressionen bei schwacher Position, veraltete Informationen, unvollständige Antworten. Diese Gruppe ist meist die wertvollste, weil hier ohne neuen Aufwand Ergebnisse entstehen.


Zusammenlegen. Mehrere Seiten behandeln dasselbe Thema. Die stärkste wird zur Zielseite, die anderen liefern ihre besten Inhalte zu und werden weitergeleitet.


Entfernen. Die Seite hat keinen Wert und wird auch keinen bekommen. Je nach Situation folgt eine Weiterleitung auf ein passendes Ziel oder ein sauberer 410-Status.


Wichtig ist, dass jede URL genau eine dieser Entscheidungen bekommt. «Später anschauen» ist keine Entscheidung und führt dazu, dass das Audit nie fertig wird.


Wie du bewertest, ohne dich zu verzetteln

Reine Traffic-Zahlen führen in die Irre. Diese Fragen helfen weiter:


• Erfüllt die Seite einen geschäftlichen Zweck? Manche Seiten haben kaum Traffic und sind trotzdem unverzichtbar – Referenzen, rechtliche Angaben, Landingpages für Kampagnen.


• Bekommt sie Impressionen? Impressionen ohne Klicks bedeuten Sichtbarkeit ohne Attraktivität. Das ist ein Verbesserungsfall, kein Löschfall.


• Gibt es eine bessere Seite für dasselbe Thema? Dann ist Zusammenlegen fast immer richtig.


• Ist sie intern verlinkt? Verwaiste Seiten mit Potenzial brauchen oft nur Anbindung.


• Ist sie noch wahr? Veraltete Preise, überholte Rechtslage oder eingestellte Produkte schaden dem Vertrauen mehr als fehlende Inhalte.


Der letzte Punkt wird gern übersehen. Falsche Information ist schlimmer als keine.


Zusammenlegen richtig gemacht

Beim Zusammenführen entsteht der grösste Nutzen – und der grösste Schaden bei schlechter Umsetzung.


Wähle als Zielseite nicht die längste, sondern die mit der besten Ausgangslage: Rankings, eingehende Links, passender Seitentyp. Übertrage dorthin nur die wertvollen Abschnitte der anderen Seiten.


Leite die aufgelösten URLs anschliessend per 301 auf die Zielseite weiter und passe deine internen Links an, sodass sie direkt auf das neue Ziel zeigen.


Weiterleitungen sind eine Absicherung, kein Ersatz für saubere Verlinkung.


Rechne mit einer Übergangsphase von einigen Wochen, in der die Rankings schwanken. Das ist normal. Kritisch wird es nur, wenn du mitten in dieser Phase erneut umbaust.


Löschen ohne Kollateralschaden

Beim Entfernen gilt: Weiterleiten, wenn es ein passendes Ziel gibt. Sonst lieber sauber entfernen als auf die Startseite umleiten – solche Weiterleitungen werden meist wie Fehlerseiten behandelt.


Prüf vorher zwei Dinge: Hat die Seite externe Links? Dann lohnt eine Weiterleitung fast immer. Wird sie intern oder in Newslettern und Anzeigen referenziert? Dann müssen diese Verweise mit.


Häufige Fehler

Zu grosszügig löschen. Wer hunderte Seiten auf einmal entfernt, verliert die Kontrolle über die Wirkung. Arbeite in Etappen.


Nur nach Traffic entscheiden. Damit fallen Seiten weg, die kein Suchvolumen haben, im Verkauf aber wichtig sind.


Das Audit als Einmalprojekt behandeln. Nach zwei Jahren ist der Zustand derselbe wie vorher.


Nichts dokumentieren. Ohne Protokoll weiss später niemand, warum eine URL verschwunden ist.


Den Prozess im Team verankern

Ein Audit scheitert selten an der Analyse, sondern an der Umsetzung. Weiterleitungen müssen gesetzt, Texte zusammengeführt und interne Links angepasst werden – Aufgaben, die zwischen Redaktion, Technik und Marketing liegen.


Klär deshalb vorab drei Punkte: Wer entscheidet im Zweifel, wer setzt technisch um, und in welchem Zeitfenster passiert das? Ohne diese Absprache bleibt die Tabelle liegen.


Sinnvoll ist ausserdem eine Freigabe der Löschliste durch jemanden ausserhalb des SEO-Teams. Fachabteilungen kennen Seiten, die kaum Traffic haben und trotzdem täglich verschickt werden.


Rhythmus und Erfolgsmessung

Für die meisten Websites reicht ein vollständiges Audit alle zwölf bis achtzehn Monate, ergänzt um eine kleine Quartalsprüfung der neuesten Inhalte.


Miss den Erfolg nicht an der Anzahl gelöschter Seiten, sondern an drei Werten über drei bis sechs Monate: Klicks aus organischer Suche insgesamt, Anteil der Seiten mit mindestens einem Klick pro Monat und Conversions aus organischem Traffic. Der zweite Wert ist besonders aufschlussreich – er zeigt, wie viel deines Bestands tatsächlich arbeitet.


Was mit den entfernten Inhalten passiert

Nicht alles, was von der Website verschwindet, ist wertlos. Manche Inhalte funktionieren nur im falschen Format oder am falschen Ort.


Prüfe vor dem Löschen, ob sich ein Text besser als Abschnitt auf einer stärkeren Seite eignet, als Newsletterinhalt, als internes Dokument für den Vertrieb oder als Grundlage für ein Video. So geht die Arbeit nicht verloren, und du reduzierst trotzdem die Anzahl indexierbarer Seiten.


Erfüllt ein Inhalt weder online noch anderswo einen Zweck, ist er von Anfang an ohne klares Ziel entstanden. Diese Erkenntnis ist für die Planung oft wertvoller als das Aufräumen selbst.


Fazit

Ein Content-Audit ist unspektakulär und wirkt trotzdem stärker als die meisten Massnahmen, weil es Relevanz bündelt statt verteilt.


Bau dir eine Tabelle mit allen URLs und den wichtigsten Kennzahlen. Triff für jede Seite eine der vier Entscheidungen. Beginne mit dem Zusammenlegen, weil dort der Hebel am grössten ist. Und plan den nächsten Durchgang gleich mit ein, sonst beginnt die Ansammlung von vorne.


Quelle: Searchengineland.com

Über die Autorin

Eine Frau mit lockigem Haar trägt ein weißes Hemd und lächelt.

Lisa-Marie Unger

Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.


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