ChatGPT und Co. - Traffic richtig verstehen
In deinen Analytics-Berichten tauchen seit einiger Zeit neue Quellen auf. Verweise aus KI-Assistenten. Die Zahlen sind meist klein, das Verhalten dahinter aber auffällig. Hier erfährst du, wie du diesen Traffic sauber erfasst, richtig einordnest und sinnvoll nutzt.
Warum dieser Traffic anders ist
Wer über einen Assistenten auf deine Seite kommt, hat einen anderen Weg hinter sich als jemand aus der klassischen Suche. Die Person hat bereits eine Antwort erhalten und klickt, weil sie etwas vertiefen, überprüfen oder direkt handeln will.
In vielen Projekten zeigt sich deshalb ein wiederkehrendes Muster: geringe Mengen, aber überdurchschnittliche Verweildauer und häufig bessere Abschlussquoten. Die Vorqualifizierung passiert im Gespräch, nicht auf deiner Seite.
Gleichzeitig ist der Anteil am Gesamttraffic für die meisten Websites weiterhin klein. Beide Beobachtungen gehören zusammen – und beide solltest du im Blick behalten, bevor du Ressourcen verschiebst.
So machst du die Quelle sichtbar
Standardmässig landen diese Zugriffe im Verweis-Kanal und verteilen sich auf verschiedene Domains. Damit du sie zusammen betrachten kannst, brauchst du eine eigene Kanalgruppierung.
In GA4 legst du dafür in den Verwaltungseinstellungen eine benutzerdefinierte Kanalgruppe an und definierst eine Bedingung, die die relevanten Verweisquellen zusammenfasst. Wichtig ist, die Liste regelmässig zu erweitern, weil laufend neue Dienste hinzukommen.
Beachte zwei Einschränkungen. Erstens gehen Verweisinformationen teilweise verloren, etwa bei Aufrufen aus Desktop-Anwendungen. Ein Teil dieses Traffics erscheint deshalb als Direktzugriff. Zweitens gibt es keine Suchbegriffe – du erfährst nie, welche Frage zur Nennung geführt hat.
Rechne also damit, dass du eine Untergrenze misst, nicht die exakte Menge.
Was du auswerten solltest
Vier Auswertungen liefern den grössten Erkenntnisgewinn.
• Landingpages. Welche deiner Seiten werden aus Assistenten heraus angesteuert? Das verrät dir indirekt, wofür du als Quelle taugst.
• Verhalten im Vergleich. Stell Interaktionsrate, Seiten pro Sitzung und Conversion-Rate neben die organische Suche. Erst der Vergleich macht die Zahlen aussagekräftig.
• Entwicklung über Zeit. Absolute Werte sind klein; der Trend über Monate ist die relevante Grösse.
• Anteil neuer gegenüber wiederkehrenden Nutzenden. Ein hoher Anteil neuer Personen deutet auf Reichweitengewinn hin, nicht auf Umverteilung.
Setz die Erwartungen realistisch: Bei einigen hundert Sitzungen im Monat sind Conversion-Raten statistisch wacklig. Betrachte längere Zeiträume, bevor du Schlüsse ziehst.
Welche Seiten typischerweise profitieren
Aus der Praxis zeichnen sich wiederkehrende Muster ab. Häufig angesteuert werden Seiten, die eine überprüfbare Grundlage liefern:
Dokumentationen, Preisübersichten, Vergleichsseiten, Studien mit eigenen Zahlen, ausführliche Fachartikel und konkrete Anleitungen.
Seltener betroffen sind reine Imageseiten und kurze Blogbeiträge ohne eigenständige Information.
Daraus ergibt sich eine einfache Konsequenz: Wenn dieser Kanal für dich relevant werden soll, brauchst du Inhalte, die als Beleg taugen – mit Zahlen, Datum, Quelle und klarer Aussage.
Die Landingpages entsprechend vorbereiten
Wer aus einem Gespräch kommt, hat eine konkrete Erwartung. Entsprechend wichtig ist, dass die Seite diese Erwartung sofort erfüllt.
Drei Punkte machen den Unterschied. Erstens: Die zentrale Information steht oben, nicht nach drei Absätzen Einleitung. Zweitens: Aktualität ist sichtbar – ein Datum schafft Vertrauen bei jemandem, der gerade eine Angabe überprüfen will. Drittens: Der nächste Schritt ist klar erkennbar, sei es ein Kontaktweg, ein Produkt oder ein weiterführender Inhalt.
Denk ausserdem an die Anschlussfrage. Jemand, der eine Angabe geprüft hat, will oft direkt danach wissen, was das für den eigenen Fall bedeutet. Genau dort gehört dein Angebot hin.
Der Zusammenhang mit Markensuchen
Ein Effekt, der in den Verweisdaten gar nicht auftaucht: Wer in einem Assistenten von deiner Marke erfährt, sucht anschliessend oft direkt bei Google nach dir.
Dieser Weg erzeugt keinen Verweis, sondern eine Markensuche oder einen Direktzugriff. Wenn du also beobachtest, dass Markenanfragen zunehmen, ohne dass klassische Kampagnen dafür verantwortlich sind, kann das ein indirekter Hinweis auf Sichtbarkeit in Assistenten sein.
Behalte diesen Wert deshalb im Blick. In der Search Console lässt sich die Entwicklung markenbezogener Suchanfragen einfach filtern – und sie ist oft die aussagekräftigere Kennzahl als der Verweistraffic selbst.
Es lohnt sich, nüchtern zu bleiben. Für die meisten Websites ist dieser Kanal derzeit eine Ergänzung, kein Ersatz. Wer sein SEO vernachlässigt, um Ressourcen in ein Thema zu stecken, das ein bis drei Prozent des Traffics ausmacht, trifft eine schlechte Abwägung.
Die sinnvollere Perspektive: Die Massnahmen, die hier wirken – belegbare Inhalte, klare Struktur, Aktualität, externe Erwähnungen – zahlen ohnehin auf klassische Sichtbarkeit ein. Du optimierst also nicht für einen neuen Kanal, sondern für eine Qualität, die in mehreren Kanälen gleichzeitig zählt.
Was du tun solltest, ist messen. Wer den Kanal erst dann erfasst, wenn er gross geworden ist, hat keine Vergleichsbasis.
Häufige Fehleinschätzungen
«Der Kanal ersetzt die Suche.» Für die meisten Websites liegt der Anteil derzeit im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Die Entwicklung ist es wert, beobachtet zu werden. Die Gegenwart aber überschaubar.
«Die Zahlen sind exakt.» Ein Teil des Traffics erscheint als Direktzugriff, weil Verweisinformationen fehlen. Du misst eine Untergrenze.
«Hohe Conversion-Raten beweisen Qualität.» Bei kleinen Fallzahlen schwanken Prozentwerte stark. Warte auf ausreichend Datenpunkte, bevor du Budget verschiebst.
«Man kann gezielt dafür optimieren.» Es gibt keine Stellschraube. Was wirkt, sind belegbare Inhalte und externe Erwähnungen – also Massnahmen mit ohnehin breitem Nutzen.
Eine einfache Berichtsroutine
Damit das Thema nicht in Einzelanalysen versandet, lohnt sich eine feste monatliche Auswertung mit vier Zeilen.
Erfasse: Sitzungen aus der eigens angelegten Kanalgruppe, deren Conversion-Rate im Vergleich zur organischen Suche, die drei meistbesuchten Landingpages daraus und die Entwicklung markenbezogener Suchanfragen.
Das dauert zehn Minuten und reicht vollkommen aus, um Trends zu erkennen. Wichtiger als die Tiefe ist die Kontinuität: Erst nach sechs bis zwölf Monaten lässt sich sagen, ob der Kanal für dich wächst oder auf niedrigem Niveau verharrt.
Fazit
Traffic aus KI-Assistenten ist klein, aber aufschlussreich. Er zeigt dir, welche deiner Inhalte als verlässliche Quelle gelten – und er kommt mit einer Erwartungshaltung, die sich gut bedienen lässt.
Richte eine eigene Kanalgruppierung ein, damit du die Entwicklung überhaupt siehst. Vergleiche das Verhalten mit anderen Quellen, anstatt absolute Zahlen zu bewerten. Und richte deine wichtigsten Seiten so aus, dass jemand, der eine Antwort überprüfen will, sofort findet, was er sucht und danach weiss, was der nächste Schritt ist.
Quelle: Searchengineland.com
Über die Autorin

Lisa-Marie Unger
Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.



