Lisa-Marie Unger • 9. April 2026

Bing ist Entscheidungsträger – ChatGPT Empfehlungen

Wer heute über KI-Sichtbarkeit nachdenkt, denkt zuerst an Google. Doch eine neue Fallstudie zeigt: Wenn es darum geht, von ChatGPT empfohlen zu werden, spielt eine ganz andere Suchmaschine die entscheidende Rolle, nämlich Bing.

 

Die Ausgangsfrage: Warum taucht eine Marke bei ChatGPT einfach nicht auf?

Die Autoren der Studie stellten sich eine gezielte Frage: Warum erscheint ein bestimmtes Hotel bei ChatGPT nahezu gar nicht, obwohl es ausgezeichnete Bewertungen hat und klar zur gesuchten Kategorie passt? Als Testprompt wählten sie: „What are the best hotels in New York City?" Dieser Prompt wurde 68 Mal ausgeführt, die Ergebnisse sorgfältig ausgewertet.


Das Baccarat Hotel, ein etabliertes Luxushotel mit über 1'300 Google-Bewertungen und einer Durchschnittsnote von 4,6, tauchte dabei nur einmal auf, also in gerade mal 1,5 % der Fälle. Das deutlich jüngere und günstigere Fifth Avenue Hotel hingegen erschien 13 Mal und wurde in 20 % der Antworten erwähnt. Rein auf Basis von Reputation und Bewertungen lässt sich dieser Unterschied nicht erklären.

Eine Hand, die über der Tastatur eines Laptops schwebt, auf der digitale Symbole zu sehen sind, die eine Skala für eine Umfrage zur Kundenzufriedenheit darstellen.

Der entscheidende Faktor: Bing, nicht Google

Die Antwort liegt in der Art, wie ChatGPT funktioniert. Bei einer Suchanfrage generiert ChatGPT intern mehrere Suchanfragen, sogenannte Fanouts und ruft dafür Webseiten ab. Die Autoren haben diese Fanouts über die Chrome-Entwicklertools extrahiert und analysiert, welche URLs dabei in Google und Bing auftauchten.


Das Ergebnis war überraschend eindeutig: In den Google-Suchergebnissen für diese Fanouts schnitt das Baccarat Hotel sogar leicht besser ab als das Fifth Avenue Hotel. In den Bing-Ergebnissen dagegen dominierte das Fifth Avenue Hotel deutlich, es gewann fünf von acht der häufigsten URLs. Und genau das spiegelte sich in den ChatGPT-Antworten wider.


Dieses Ergebnis deckt sich mit einer früheren Untersuchung von Seer Interactive, die zeigte, dass 87 % der ChatGPT-Zitate mit den Top-Ergebnissen von Bing übereinstimmen. Die neue Fallstudie geht jedoch einen Schritt weiter: Es geht nicht nur um Zitate, sondern um tatsächliche Markennennungen im Fliesstext und die sind für potenzielle Kunden oft noch wertvoller, weil sie wahrgenommen werden, ohne dass jemand auf einen Link klickt.


Was das für deine Sichtbarkeit in KI-Suchen bedeutet

Die Erkenntnis lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Wer in Bing gut rankt, hat deutlich bessere Chancen, von ChatGPT empfohlen zu werden. Wer ausschliesslich auf Google-Rankings setzt, könnte dabei komplett unter dem Radar bleiben, selbst wenn er dort stark aufgestellt ist.


Ein weiterer wichtiger Punkt: In vielen Branchen werden die relevanten Inhalte nicht von den Unternehmen selbst erstellt, sondern von Drittanbietern wie Reisemagazinen, Ratgeberportalen oder Branchenmedien. In solchen Fällen reicht es nicht, die eigene Website zu optimieren. Es braucht eine gezielte Strategie, um in den richtigen Publikationen und vor allem in den richtigen Artikeln – erwähnt zu werden. Dabei kommt es auf Details an: Nicht jeder Artikel beim selben Verlag zählt gleich viel. Es macht einen grossen Unterschied, in welchem spezifischen Beitrag eine Marke erscheint, da verschiedene Artikel unterschiedlich in Bing und damit in ChatGPT gewichtet werden.


Was du jetzt tun solltest

Die wichtigsten Handlungsempfehlungen aus dieser Studie:


  • Überprüfe deine Bing-Rankings gezielt, nicht nur deine Google-Positionen.
  • Analysiere, welche Artikel von Drittseiten in Bing für deine relevanten Suchbegriffe auftauchen.
  • Richte deine PR- und Linkbuilding-Strategie gezielt auf diese spezifischen Inhalte aus.
  • Behandle Bing-SEO nicht länger als Nebenschauplatz, sondern als eigenen strategischen Kanal.


Fazit

Die Spielregeln der Sichtbarkeit verändern sich. Wer in der Welt der KI-gestützten Suche präsent sein will, kommt um Bing nicht mehr herum. Google bleibt wichtig, aber für die Sichtbarkeit in ChatGPT ist Bing aktuell der entscheidendere Hebel. Wer das früh versteht und strategisch handelt, verschafft sich einen klaren Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb.


Quelle: Searchengineland.com

Über die Autorin

Eine Frau mit lockigem Haar trägt ein weißes Hemd und lächelt.

Lisa-Marie Unger

Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.


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