B2B-Kaufentscheidungen an Tag 1 - Die Rolle von Video
Video im B2B-Marketing ist weit mehr als nur ein "Brand Awareness"-Tool. Dennoch behandeln viele Marketer Video immer noch als binäre Entscheidung: entweder virale Top-of-Funnel-Assets mit vielen Views aber ohne Leads, oder trockene Bottom-of-Funnel-Produktdemos mit Leads aber ohne Views.
Die Realität: Die "First Impression Rose"
Das Zeitfenster, in dem du einen Deal beeinflussen kannst, schliesst sich viel früher, als die meisten Marketer glauben. LinkedIn's B2B Institute nennt dies die "First Impression Rose". Wie in der Reality-TV-Show "The Bachelor" gilt: Wenn du in der ersten Zeremonie keine Rose erhältst, schaffst du es wahrscheinlich nicht ins Finale.
Forschungsergebnisse von LinkedIn und Bain & Company zeigen eine bemerkenswerte Tatsache: 86% der B2B-Käufer haben ihre Auswahl bereits am "Tag 1" eines Kaufzyklus vorbestimmt. Noch kritischer ist, dass 81% letztendlich von einem Anbieter kaufen, der auf dieser Tag-1-Liste stand. Wenn deine Video-Strategie erst greift, wenn der Käufer "im Markt" oder "kaufbereit" ist, kämpfst du um die verbleibenden 19% des Marktes.
Die Drei-Stufen-Video-Strategie für B2B-Erfolg
Um auf der Shortlist zu landen, bevor das RFP überhaupt geschrieben wird, benötigst du eine strategische Drei-Stufen-Herangehensweise.
Play 1: Erreiche das versteckte Buying Committee
Die meisten Video-Strategien zielen auf den "Champion" ab, die Person, die das Tool oder die Dienstleistung nutzt. Doch im B2B hält der Champion selten das Scheckbuch. Stell dir vor: Du hast Monate damit verbracht, den VP of Marketing zu umwerben. Sie lieben deine Lösung und sind bereit zu unterschreiben. Doch wenn sie den Vertrag zum Procurement-Meeting bringen, fragt der CFO: "Wer sind die? Warum habe ich noch nie von denen gehört?"
Die Daten zeigen: Du bist mehr als 20-mal wahrscheinlicher gekauft zu werden, wenn die gesamte Buying Group, nicht nur der Endnutzer, dich am Tag 1 kennt. Um diese breitere Gruppe zu erreichen, reicht es nicht aus, nur präsent zu sein. Du musst unvergesslich sein.
Play 2: Verkaufe "Buyability" statt nur Capability
Hier scheitern die meisten B2B-Inhalte. Wir konzentrieren uns auf den Verkauf von Capability (Features, Specs, Geschwindigkeit) und selten auf Buyability (wie sicher es ist, uns zu kaufen). Wenn B2B-Käufer eine Shortlist erstellen, navigieren sie durch Karriere-Risiken.
Die Forschung von LinkedIn und Bain & Company identifizierte die fünf wichtigsten "emotionalen Jobs", die ein Käufer erfüllen muss. Nur zwei davon betrafen Produkt-Capability. Der wichtigste emotionale Job bei 34% war schlicht: "Ich fühlte, dass ich die Entscheidung verteidigen könnte, wenn sie schiefgeht."
Dein Video-Content sollte kein Feature-Dump sein, er sollte ein Sicherheitsnetz sein. Momentum ist Sicherheit: Käufer wollen auf einen Gewinner setzen. Marken, die "Buzz" durch Pop-Kultur-Referenzen erzeugen, sehen einen 41% Anstieg im Engagement. Bei Memes kann das Engagement sogar um 111% steigen.
Play 3: Entferne Reibung im Conversion-Prozess
In dieser Phase kennt dich der Käufer bereits und vertraut dir. Nutze dein Bottom-of-Funnel-Video nicht für einen Hard Sell. Nutze es, um die Reibung des nächsten Schritts zu entfernen. Käufer in dieser Phase spüren drei spezifische Risikoarten: Execution Risk, Decision Risk und Effort Risk.
90% der Käufer sagen, dass Social Proof einflussreich ist. Aber poste nicht nur ein Logo, zeige den Peer im Video. Wenn ein Käufer jemanden mit genau seiner Jobbezeichnung erfolgreich sieht, verschwindet das Entscheidungsrisiko. Zudem können nur 3% der Mitarbeiter, die regelmässig posten, 20% mehr Leads generieren, zeigen LinkedIn-Daten.
Das Flywheel-Prinzip: Integration ist der Schlüssel
Wenn diese Strategie so effektiv ist, warum macht sie nicht jeder? Das Problem ist meist nicht Budget oder Talent, es ist die Struktur. In den meisten Organisationen arbeiten "Brand"- und "Demand"-Teams in Silos. Diese Fragmentierung tötet den Multiplikator-Effekt.
Wenn du diese Silos aufbrichst und die drei Plays als einheitliches System betreibst, verändert sich alles. Modellierungen zeigen, dass eine integrierte Strategie 1,4-mal mehr Leads generiert als isolierte Brand- und Demand-Aktivitäten. Es entsteht ein Flywheel: Deine breite Reichweite baut Retargeting-Pools auf, dein Educational Content wärmt diese Audiences auf und steigert CTRs, und deine Conversion-Angebote fangen Demand von Käufern ab, die bereits überzeugt sind.
Fazit
Die Marken, die den Funnel balancieren und sowohl in Memory als auch in Action investieren, landen auf der "Tag 1"-Liste. Und die auf dieser Liste sind diejenigen, die den Revenue gewinnen. Video ist kein taktisches Tool für eine Funnel-Phase, es ist der strategische Multiplikator für deinen gesamten B2B-Erfolg
Quelle: Searchengineland.com
Über die Autorin

Lisa-Marie Unger
Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.



