Werbung in Gemini – Was da für dich bedeutet
Noch im Januar 2026 war die Aussage von Google DeepMind-CEO Demis Hassabis eindeutig: keine Pläne für Werbung in Gemini. Google-Senior-Vizepräsident Nick Fox erklärte jetzt gegenüber dem Magazin WIRED, man schliesse Anzeigen in der Gemini-App ausdrücklich nicht aus.
Von «keine Pläne» zu «schliessen wir nicht aus»
Die Verschiebung in der offiziellen Google-Kommunikation ist klein, aber bedeutsam. Fox formulierte vorsichtig, die Erkenntnisse aus Werbeanzeigen im sogenannten AI Mode würden sich «wahrscheinlich auf Gemini übertragen». Was zunächst wie eine unverbindliche Aussage klingt, ist bei näherer Betrachtung eine klare Richtungsangabe: Es geht nicht mehr um das Ob, sondern um das Wann.
Googles Framing ist bewusst gewählt. Indem Fox Werbung in Gemini als «Frage der Priorisierung» bezeichnet und nicht als Wertentscheidung, macht er deutlich, dass das Thema intern bereits diskutiert wird und der Rollout nur eine Frage des Zeitpunkts ist.
AI Mode als Testlabor für neue Werbeformate
Bevor Google Werbung in Gemini einführt, nutzt das Unternehmen seinen KI-gestützten Suchmodus, AI Mode, als Testfeld. Dort werden bereits Anzeigen ausgespielt, allerdings mit klaren Regeln: Anzeigen erscheinen getrennt von organischen Ergebnissen, sind eindeutig als solche gekennzeichnet und werden nur dann eingeblendet, wenn sie inhaltlich zur Suchanfrage passen. Gibt es keine relevante Werbung, erscheint schlicht keine.
Google greift dabei auf mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung mit Suchanzeigen zurück, ein Vorteil, den Konkurrenten wie OpenAI schlicht nicht haben. Diese Erkenntnisse aus AI Mode sollen langfristig die Basis für Werbeformate in Gemini bilden.
Warum Google es sich leisten kann, zu warten
Ein entscheidender Unterschied zwischen Google und seinen KI-Mitbewerbern ist die finanzielle Ausgangslage. Google hat 2025 erstmals die 400-Milliarden-Dollar-Umsatzmarke überschritten, das gibt dem Unternehmen den Luxus, in Ruhe zu testen und zu lernen, bevor es Werbung in Gemini massentauglich ausrollt. OpenAI hingegen steht unter erheblichem Druck, seinen Umsatz von 30 Milliarden Dollar in diesem Jahr mehr als zu verdoppeln und hat bereits damit begonnen, Anzeigen im kostenlosen ChatGPT-Tier zu testen.
Google muss also nicht überstürzt handeln. Aber genau das macht die Situation für Werbetreibende so interessant: Wer sich jetzt auf KI-Werbeumgebungen vorbereitet, hat einen echten Vorsprung, bevor die Konkurrenz im Auktionssystem zunimmt.
Der Joker: Personal Intelligence
Besonders spannend ist ein Feature, das Fox als seinen persönlichen «heiligen Gral» bezeichnet: Personal Intelligence. Diese Gemini-Funktion verknüpft Informationen aus Gmail, Google Fotos und Google Kalender, um hochgradig personalisierte Antworten zu liefern. Fox deutete an, diese Funktion könnte langfristig auch in die allgemeine Google-Suche integriert werden.
Für Werbetreibende wäre das ein Paradigmenwechsel: Kontextuelles Targeting auf einer völlig neuen Ebene, basierend auf dem realen Nutzerverhalten, nicht nur auf Suchanfragen. Fox betonte zwar ausdrücklich, dass Nutzerdaten weder verkauft noch geteilt werden. Dennoch zeigt die Entwicklung, in welche Richtung Google die Personalisierung treiben will.
Was du jetzt tun solltest
Auch wenn Gemini-Werbung noch nicht Realität ist, solltest du die Entwicklung nicht passiv abwarten. Beobachte, wie Google Anzeigenformate in AI Mode weiterentwickelt, und lerne frühzeitig, wie sich deine Marke in konversationsbasierten, kontextreichen KI-Umgebungen relevant positionieren lässt.
Fazit
Google hat die Tür zu Werbung in Gemini nicht nur einen Spalt geöffnet, es hat sie aufgestossen. Marken, die sich jetzt mit KI-tauglichen Werbestrategien auseinandersetzen, werden die Ersten sein, die von diesem neuen Kanal profitieren, sobald er in grossem Massstab verfügbar wird.
Quelle: Searchengineland.com
Über die Autorin

Lisa-Marie Unger
Lisa-Marie hat 2018 Publizistik und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei netpulse AG als Projektleiterin für Google Ads. Sie informiert über SEO (Suchmaschinenoptimierung) und führt Schulungen durch.



